Flugzeugabsturz: Suche nach Ursache geht weiter

Ein Experte konnte sich nicht vorstellen, dass die technische Wartung nicht auf ausreichendem Niveau war. Selbst bei einem Triebwerksausfall hätte das Flugzeug nach seiner Einschätzung noch weiterfliegen können.

Ein Experte konnte sich nicht vorstellen, dass die technische Wartung nicht auf ausreichendem Niveau war. Selbst bei einem Triebwerksausfall hätte das Flugzeug nach seiner Einschätzung noch weiterfliegen können.

EPA
Noch immer ist unklar, wie es zum Absturz der russischen Passagiermaschine in Ägypten kommen konnte. Die Auswertung der beiden Flugschreiber soll Aufschluss geben.

Die russischen Behörden halten sich mit Spekulationen über die Absturzursache des russischen Passagierflugzeuges in Ägypten zurück. Am Samstag war ein Airbus-321 auf dem Weg vom ägyptischen Badeort Scharm el Scheich nach Sankt Petersburg auf der Sinai- Halbinsel zerschellt. Alle 224 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen ums Leben. Der russische Verkehrsminister Maxim Sokolow erklärte, dass man die Auswertung der Flugschreiber, der sogenannten Blackboxes, abwarten wolle. Noch sei unklar, ob die Daten der mittlerweile geborgenen beiden Flugschreiber in Ägypten oder in Russland entschlüsselt werden.

Unmittelbar nach der Tragödie wurde über einen technischen Defekt oder einen Pilotenfehler als mögliche Ursachen spekuliert. Zudem hatte sich eine der Terrororganisation Islamischer Staat nahestehende Vereinigung laut Berichten verschiedener Medien dazu bekannt, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Diese Version gilt als wenig wahrscheinlich und wurde sowohl vom russischen Verkehrsministerium als auch von den ägyptischen Behörden zurückgewiesen. Ägyptens Ministerpräsident Scherif Ismail sagte, dass im Vorfeld keine verdächtigen Aktivitäten beobachtet wurden. Die russische Luftfahrtbehörde will erst die Analyse der Flugschreiber abwarten. Es sei zu früh, weitere Vermutungen anzustellen.  

Russische Behörden nehmen Ermittlungen gegen Fluggesellschaft auf

Wiktor Gorbatschow, Generaldirektor der Zivilluftfahrtorganisation Aeroport schloss  klimatische oder wetterbedingte Einflüsse wie beispielsweise einen Blitzeinschlag als mögliche Unfallursache in der russischen Zeitung „Kommersant“ aus. Laut Angaben des Wetterdienstes hätte gutes Flugwetter geherrscht, die Sichtweite hätte zehn Kilometer betragen. Eine Vermutung geht in Richtung eines technischen Notfalls an Bord, etwa einen Triebwerksbrand, andere halten auch Fehler des Bordpersonals nicht für ausgeschlossen.

Magomed Tolboew, Flugzeugexperte und Ehrenpräsident des Zwischenstaatlichen Luftfahrtkomitees, konnte sich im Interview mit dem „Kommersant“ nicht vorstellen, dass die technische Wartung nicht auf ausreichendem Niveau war. Selbst bei einem Triebwerksausfall hätte das Flugzeug nach seiner Einschätzung noch weiterfliegen können. Zudem hätte der Pilot in diesem Falle wohl Kontakt mit dem Tower aufgenommen, was jedoch nicht geschehen sei. Das bedeute, dass ein unerwarteter und gravierender Defekt aufgetreten sein müsse, so Tolboew.

Die russische Ermittlungsbehörde leitete nach dem Absturz zwei Strafverfahren ein. Die Fluggesellschaft Kogalymavia (kurz Kolavia), zu der die verunglückte Maschine gehörte, wurde von Ermittlern aufgesucht.

Die Angehörigen der Absturzopfer könnten eine finanzielle Entschädigung von bis zu zwei Millionen Rubel (umgerechnet etwa 28 000 Euro) erhalten, heißt es aus den zuständigen Stellen.   

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