Neustart auf der Krim: Olga im Familienglück

Bild aus dem persönlichen Archiv
Olga Lasarewa ist 26 Jahre alt. Die Bloggerin zog im September 2014 mit ihrem Mann von Moskau nach Sewastopol. Mit ihr schließen wir unsere Reihe über junge Russen, die auf der Krim ihr Glück gefunden haben.

Bild aus dem persönlichen Archiv.

Bevor Olga Lasarewa mit ihrem Mann auf der Krim landete, waren die beiden typische Moskauer Büroangestellte. Die 26-Jährige erzählt: „Der ewige Kreislauf Arbeiten-Heimgehen-Arbeiten hat uns gelangweilt. Uns fehlte die Abwechslung. Wir hatten einiges gespart und beschlossen, auf eine Südostasien-Reise zu gehen. Ein halbes Jahr waren wir unterwegs. Wir haben das Leben genossen, aber wir hatten auch Heimweh. Vor allem die russische Mentalität hat uns sehr gefehlt. Doch zurück nach Moskau zu gehen konnten wir uns auch nicht mehr vorstellen. So haben wir uns letztlich für die Krim entschieden. Das Klima, die Pflanzen- und Tierwelt, die Landschaft – das ist hier alles ganz toll. Es gibt viele interessante Ausflugsziele auf der Halbinsel. Das Leben verläuft hier viel ruhiger und es ist preiswerter als in Moskau. Sewastopol kannte ich schon recht gut, denn ich hatte als Kind viel Zeit dort verbracht. Unsere Umzugspläne wurden in Moskau ohne große Aufregung akzeptiert. Niemand hat versucht, uns zum Bleiben zu überreden.“

Zurück in die Neunziger

Ein altes Wolga-Auto in Sewastopol. Gruss aus der UdSSR.

„Unsere Erwartungen waren hoch. Vielleicht waren wir auch etwas naiv. Damals haben wir an eine schnelle Entwicklung und große Fortschritte geglaubt. Wir hatten die Vorstellung, dass es hier unendlich viele Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gäbe. In Moskau ist der Konkurrenzdruck sehr groß, hier gibt es viel mehr Raum für die eigene Entwicklung.

Aber als wir dann hier ankamen, mussten wir schnell einsehen, dass wir einen Schritt zurück in die 1990er-Jahre gemacht hatten. Der Alltag in Sewastopol wurde durch Kleinigkeiten erschwert, die wir aus Moskau gar nicht mehr kannten. Zum Beispiel ist es hier nicht so, dass alle Informationen über das Internet gesucht werden können. Manche Institutionen stehen nicht einmal im Telefonbuch, das ist schon so etwas wie ein Kulturschock. Dazu kam, dass die Umwelt zerstört war, überall Müll lag und selbstgezimmerte Bauwerke in der Gegend herumstanden. Nichts war so schön wie in unseren Vorstellungen. Wir sind aber vor allem wegen des Klimas und der Natur hierhergezogen. Und trotz aller Widrigkeiten war und ist das Leben am Meer sehr schön, vor allem jetzt als Familie.  

Denn seit Kurzem bin ich Mutter eines Sohnes und zurzeit Hausfrau. Damit mir die Decke nicht auf den Kopf fällt, betreibe ich einen Instagram-Account über die Stadt Sewastopol und blogge über das Leben hier. Mein Mann ist Programmierer und arbeitet freiberuflich, denn es ist sehr schwierig, eine gut bezahlte Stelle in Sewastopol zu finden.“

Frische Luft und Entdeckungsreisen

"In Sewastopol wohnt ein sehr berühmter Street-Art-Künstler Alexej Kislow. Seine Werke sind überall in der Stadt zu sehen".

„Einige Freundinnen haben mich gefragt, warum wir ausgerechnet nach Sewastopol gezogen sind – schließlich ist das die größte Stadt auf der Halbinsel. Viele wollen raus aus der Stadt. Es gibt sehr viele Menschen, die auf die Krim ziehen, weil sie Ruhe vor dem hektischen Großstadtleben suchen. Ich bedauere nichts. Nur manchmal vermisse ich mein früheres Leben, die alten Bekannten, die bessere Infrastruktur und einige Geschäfte, die es hier nicht gibt. Es gibt einige Nachteile, aber die Vorteile überwiegen doch.

Ich mag das ruhige Leben hier und dass ich genug Zeit für die Familie habe. Mein Mann kann zu Hause arbeiten, er verliert keine Zeit und Nerven mit Fahrten zum Büro. Mir gefällt die frische Luft hier. In Moskau konnte man wegen des Smogs oft kaum atmen. Mein Mann findet vor allem die warmen Winter gut.

Wenn unser Sohn etwas größer ist, wollen wir die ganze Krim bereisen. Es gibt hier so viel Sehenswertes zu entdecken. Vielleicht machen wir uns auch irgendwann selbstständig, mit einem interessanten Laden oder einem Café.“

 

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