Jahrestag der Krim-Aufnahme: So denken die Deutschen

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Am 16. März 2014 stimmten die Bewohner der Krim über das Schicksal ihrer Halbinsel ab – seither ist diese der Russischen Föderation angegliedert. RBTH hat sich anlässlich des zweiten Jahrestages auf den Straßen Berlins umgehört, wie die Deutschen heute über diese Entscheidung denken.

In Deutschland hat das Jubiläum kein großes Echo gefunden, jedenfalls nicht in den sogenannten Leitmedien, die im Einklang mit der Bundesregierung die Halbinsel Krim auch heute noch als Teil der Ukraine betrachten. De facto hat sie sich nach einer Volksbefragung am 16. März vor zwei Jahren dem alten Mutterland Russland wieder angeschlossen und wird seither von Moskau regiert. RBTH hat Passanten in Berlin gefragt: „Was meinen Sie dazu, dass die Krim jetzt schon zwei Jahre zu Russland gehört?“

Herbert S., Mitte 40, ohne Beruf, kommt aus dem Westen der Stadt, lebt aber seit vielen Jahren im Bezirk Lichtenberg: „Ich glaube schon, dass die meisten Menschen dort sich als Russen fühlen. Schließlich hat die Krim die meiste Zeit zu Russland gehört. Das Problem ist, dass die Politiker im Westen die Abstimmung nicht anerkennen. Vielleicht sollte man einfach noch mal abstimmen, aber dann unter internationaler Aufsicht.“

Waldemar K. (57), Mechaniker und Russlanddeutscher: „Wissen Sie, ich lebe seit mehr als 20 Jahren in Deutschland. In der Sowjetunion, da gab es bei uns keinen Unterschied – Ukrainer oder Russe. Den bräuchte es auch heute nicht zu geben. Das ist doch alles künstlich. Irgendwer hat ein Interesse, die Völker gegeneinander aufzuhetzen. Am Ende leiden die einfachen Leute, auch auf der Krim. Ob sie nun zur Ukraine gehört oder zu Russland. Das wird sich auch nicht ändern, solange die Amerikaner die Ukraine im Westen haben wollen. Die wollen Russland schwächen, das ist alles nur Politik.“

„Wir haben doch ganz andere Probleme“

Dorothea R., Ende 30, Hausfrau aus Wilmersdorf: „Natürlich müssen die Menschen selbst bestimmen, in welchem Land sie leben wollen. Aber es muss auch Regeln geben, und da hat Russland sich nicht richtig verhalten. Man kann nicht mitten in Europa das Völkerrecht außer Kraft setzen. Da muss es eine andere Lösung geben. Stellen Sie sich vor, Deutschland würde sich einfach Ostpreußen einverleiben. Das geht doch nicht.“

Gunnar T. (34), IT-Spezialist aus Stuttgart: „Soll die Krim doch selbstständig werden, ein eigener Staat. Und Russland und die Ukraine übernehmen so etwas wie eine Sicherheitsgarantie. Beide. Ich glaube, man braucht eine kreative Lösung. Sonst wird das wieder ein Nullsummenspiel.“

Maike P., Anfang 20, Kielerin und Studentin an der Freien Universität: „Ist das für die junge Generation wirklich so wichtig? Ich meine, ob man zu dem einen Volk gehört oder zu dem anderen. Die Grenzen sind doch offen und es verändert sich sowieso alles jeden Tag. Ich finde, das sind überflüssige Themen, die sich die Politiker ausdenken. Mich erinnert das zu sehr an die Vergangenheit. In Zukunft müssen wir anders denken, wir haben ja auch ganz andere Probleme: Klimawandel zum Beispiel und Überbevölkerung. Und nicht, ob ich Ukrainerin oder Deutsche oder Russin bin.“

Dossier: Zweiter Jahrestag der Aufnahme der Krim