Nadija Sawtschenko zu 22 Jahren Haft verurteilt

Reuters
Die ukrainische Soldatin Nadja Sawtschenko muss 22 Jahre in Haft. Ein Gericht in Russland sah es als erwiesen an, dass sie an der Ermordung zweier russischer Reporter beteiligt war. Auf eine Berufung will sie verzichten. Stattdessen hofft sie auf einen baldigen Austausch gegen Gefangene in der Ukraine.

22 Jahre Haft für Nadja Sawtschenko – so lautete das am Dienstag verkündete Urteil des Gerichts in der südrussischen Stadt Donezk. Die ukrainische Soldatin wurde wegen Mordes an zwei russischen Reportern verurteilt. Vom Vorwurf, auch den Tod von Zivilisten zu verantworten, wurde sie freigesprochen. Zur Haftstrafe kommt noch eine Geldstrafe in Höhe von 30 000 Rubel (rund 390 Euro), weil Sawtschenko illegal die Grenze zu Russland überschritten haben soll.

Das Urteil lag nur knapp unter der Forderung der Anklage, die 23 Jahre Haft gefordert hatte. Die Höchststrafe für Frauen liegt in Russland in vergleichbaren Fällen bei 25 Jahren und einer Geldstrafe von 100 000 Rubel (etwa 1 300 Euro). Mit einer vorzeitigen Freilassung kann die Ukrainerin laut Urteil frühestens in zwölf Jahren rechnen.

Die Kampfpilotin, Oberstleutnantin der ukrainischen Armee, soll im Sommer 2014 in der Ostukraine an der Ermordung zweier russischer Journalisten beteiligt gewesen sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Sawtschenko von der Armee eine Auszeit genommen und kämpfte im ukrainischen Freiwilligenbataillon Ajdar. Sie soll ukrainischen Kampfeinheiten die Koordinaten der Reporter geliefert haben, die daraufhin mit Granaten beschossen wurden und bei dem Angriff ums Leben kamen. Zudem soll sie illegal in die Russische Föderation eingereist sein.

Sawtschenko bestritt die Vorwürfe bis zuletzt. Zum Tatzeitpunkt sei sie bereits in der Gefangenschaft der Aufständischen in der Ostukraine gewesen. Ein Video soll angeblich ihre Verhaftung zeigen. Das Gericht in Donezk konnte sie damit nicht überzeugen. Dieses warf ihr widersprüchliche Aussagen während der Verhandlung vor und stufte das Video als manipuliert ein. Zudem hätten sich ihre Angaben nicht mit Augenzeugenberichten gedeckt, erklärte der Richter. Kämpfer der selbst ernannten Volksrepublik Lugansk selbst sollen die Augenzeugen gewesen sein.

Sawtschenko hofft auf Gefangenenaustausch

Sawtschenkos Anwälte erklärten, ihre Mandantin wolle auf eine Berufung verzichten. „Das ist ihre Entscheidung. Sie hofft, dass ein Verzicht auf die Berufung ihre Rückkehr in die Ukraine beschleunigt“, sagte ihr Verteidiger Mark Fejgin. Sawtschenko rechnet offenbar damit, gegen russische Gefangene in der Ukraine ausgetauscht zu werden.

Dabei könnte es sich um die Russen Jewgeni Jerofejew und Alexander Alexandrow handeln, denen terroristische Aktivitäten zur Last gelegt werden. Jedoch müssten beide zunächst verurteilt werden, um gegen Sawtschenko ausgetauscht werden zu können, wie Alexej Tschesnakow, Leiter des Zentrums für politische Konjunktur, bemerkt.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat bereits seine Bereitschaft für einen Austausch erklärt: „Nach dem Gerichtsverfahren bin ich bereit, (…) die Abreise der Gefangenen nach Russland zu gewährleisten. Das Vorgehen entspricht auch dem Punkt sechs der Minsker Vereinbarungen über den Austausch aller gegen alle“, teilte Poroschenko auf seiner Internetseite mit.

Ein gegenseitiger Gefangenenaustausch sei gemäß den Minsker Vereinbarungen zwar grundsätzlich möglich, meint Jewgeni Mitschenko, Leiter des Instituts für Politikanalyse. Doch wie er RBTH erklärte, gelte das nicht für Sawtschenkos Fall: „Sie wurde des Mordes angeklagt und zählt damit zu keiner der in den Vereinbarungen genannten Gruppen.“ Zudem befinde sich die Soldatin in Russland in Gefangenschaft. Die Minsker Vereinbarungen beträfen jedoch nur die Ukraine und die selbst ernannten Volksrepubliken in der Ostukraine. Russland sei nicht am Konflikt beteiligt, erinnert der Experte, sondern lediglich einer der Garanten der Minsker Vereinbarungen.

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