Vier Wege an das Geld im Geldautomaten

Alexey Malgavko/RIA Novosti
Am vergangenen Freitag wurden in Moskau Verbrecher beim Versuch erwischt, einen Geldautomaten zu sprengen. Die Täter wurden verhaftet – und RBTH nutzt den Anlass, auf die gängigsten Tricks hinzuweisen, mit denen Kriminelle an das Geld im Geldautomaten kommen. Vorsicht: nicht nachmachen!

1. Die gefährliche Methode: Sprengung

In Russland werden Geldautomaten oft mithilfe von Gas gesprengt. Ein brennbares Gas, in der Regel in jedem Haushalt vorhanden, wird ins Metallgehäuse des Automaten gepumpt und mit einem vorab installierten Zünder zur Explosion gebracht. Danach können Diebe die Geldkassetten herausnehmen und flüchten. Genau so versuchten Verbrecher am vergangenen Freitag an Geld zu kommen, wurden dabei aber von der Polizei erwischt.

Neben Gas verwenden Verbrecher oft auch selbstgebaute Sprengsätze. Zwischen 2014 und 2015 baute ein Lehrer einer Moskauer Schule Bomben auf Basis von Ammoniumnitrat und sprengte vier Geldautomaten, bevor er verhaftet wurde. Unklar ist, ob dem Lehrer die Geschichte Walter Whites aus der Serie Breaking Bad als Vorbild diente oder ob die russische Bildungsreform ihn zu seinen Taten veranlasste.

Die Methode, Geldautomaten zu sprengen, ist nicht ungefährlich. Es besteht immer die Gefahr, selbst verletzt zu werden. Wenn die Sprengwirkung zu gering angesetzt wird, kommen Verbrecher wiederum nicht an das Geld. Im Februar versuchte ein Unbekannter in Moskau einen Geldautomaten zu sprengen, der Automat fing Feuer, hielt der Belastung aber stand.

2. Die clevere Methode: Skimming

Einige Verbrecher bevorzugen es, moderne Technologie zu verwenden. Geldautomaten braucht man gar nicht aufzubrechen: Kriminelle installieren heimlich Skimming-Geräte an den Geldautomaten. Mit deren Hilfe lesen sie Kontodaten von Bankkarten ab, stellen Karten mit den gleichen Daten aus und heben seelenruhig Geld ab.

Im April 2016 stand eine Gruppe von Skimming-Verbrechern in Kasan, 719 Kilometer östlich von Moskau, vor Gericht: Einige Bewohner der Stadt hoben 2,2 Millionen Rubel, beinahe 30 000 Euro, fremdes Geldes ab. Das Gericht schätzte die Kreativität der Freunde nicht und verurteilte sie zu Haftstrafen zwischen zweieinhalb und vier Jahren.

3. Die traditionelle Methode: etwas Schweres

Wer keinen Sprengstoff besitzt und vom Skimming noch nie gehört hat, muss nicht darauf verzichten, einen Geldautomaten aufzubrechen. Der schwere Feind aus Metall kann problemlos mit einem Hammer, einer Brechstange oder einem anderen schweren Gegenstand angegangen werden.

Russen brechen gerne Geldautomaten mit jenen Gegenständen auf, die sie gerade zur Hand haben. Ein herausragender Fall ereignete sich 2010. Damals versuchte ein Einwohner der Region Altai, 2 967 Kilometer östlich von Moskau, zunächst mit einem Blatt Papier Geld aus einem Geldautomaten zu entwenden. Als dies nicht funktionierte, versuchte er den vorderen Teil des Automaten mit einem Messer zu öffnen. Als auch dies nicht gelang, holte er verzweifelt eine Axt von Zuhause – und so ließ sich der Automat öffnen. Geld gab es allerdings im Automaten nicht und der Dieb wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

4. Die schwere Methode: Diebstahl

Es ist eine logische Methode: Wozu in Eile und mit der Angst im Nacken, die Polizei könnte auftauchen, versuchen, den Geldautomaten aufzubrechen oder zu sprengen? Schließlich kann man ihn auch einfach mitnehmen und an einem anderen Ort so behandeln, wie man es möchte. Die Schwierigkeit besteht aber natürlich darin, dass ein Geldautomat kein Fahrrad ist. So einfach klauen lässt der sich nicht: Zunächst muss die Befestigung gelöst oder zerstört werden und die schwere Maschine anschließend in ein Auto geladen werden.

Russische Verbrecher aber sind selbstlose Menschen und schrecken vor keiner Schwierigkeit zurück. Im März 2015 betraten in Moskau sechs maskierte, nur mit Stöcken bewaffnete Räuber ein Geschäft, lösten die Befestigungen des Geldautomaten, luden ihn auf eine Schubkarre, frachteten ihn von dort in einen Minivan und verschwanden. Dafür brauchten die Verbrecher nur eine Minute.

Noch schlauer waren Kriminelle in Jaroslawl, 272 Kilometer nordöstlich von Moskau, im Jahr 2012. Sie stellten sich als Bankmitarbeiter vor, die den Geldautomaten austauschen sollten. Sie luden ihn ins Auto und platzierten an dessen Stelle eine Attrappe aus Holz, gefüllt mit Sandsäcken. Erst in letzter Minute hielt ein Polizist die Diebe an. 

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