Kondom-Verbot in Russland: „Je suis Durex“

Natalia Garnelis/TASS
Die britische Kondommarke Durex darf in Russland derzeit nicht verkauft werden. Das sorgt für Spott in den sozialen Netzwerken.

Vergangene Woche hat Russlands Gesundheitsschutzbehörde Rossdrawnadsor den Verkauf von Kondomen der britischen Marke Durex verboten. Zum Zeitpunkt des Verbots war Durex hinter Contex russlandweit die zweitbeliebteste Kondommarke.

Der Chef der Behörde, Michail Muraschko, erklärte das Verbot mit Unstimmigkeiten bei der Produktregistrierung: „Medizinische Erzeugnisse müssen technisch und toxikologisch geprüft werden, um von Rossdrawnadsor zugelassen zu werden“, sagte Muraschko der Nachrichtenagentur Tass.

Das russische Wirtschaftsblatt „RBC Daily“ berichtet indes, Durex habe es versäumt, seine jeweiligen Produktsorten, darunter „Classic“, „Real Feel“ und „Extra Safe“, anzumelden. Daher das Problem: Als Markenname ist Durex registriert – seine elf Produkte sind es nicht.

Marktrückkehr möglich

Für immer verschwunden sind die Durex-Verhüterli in Russland aber wahrscheinlich nicht. Das Unternehmen hat inzwischen alle notwendigen Unterlagen bei der Regulierungsbehörde eingereicht. Werfen die Zulassungsanträge keine Fragen auf, könnten die britischen Präservative bald wieder in den Regalen russischer Supermärkte zu finden sein.

Wie viel Zeit das Verfahren beanspruchen wird, ist jedoch unklar. Momentan kann Durex nur seine Gleitgele in Russland verkaufen, diese Produktkategorie bleibt vom Verbot unberührt. Der Rossdrawnadsor-Chef beschwichtigt derweil: „Russland mangelt es nicht an Präservativen. Über 60 Marken sind im Land registriert“, sagte er.

Reaktionen aus dem Netz

Im Internet verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Spitzfindige Bemerkungen und Spott blieben da natürlich nicht aus.

In einem Anflug von Mitgefühl twitterte dieser Nutzer: „Je suis Durex“.

Und dass geheime Machenschaften dahinterstecken, wussten Verschwörungstheoretiker gleich: „Man munkelt, das russische Durex-Verbot stammt aus der Feder der Lobbyisten von Fruto Nana“, eines russischen Herstellers für Kindernahrung.

Experten für Importsubstitution erkannten im Verbot die Chance schlechthin: „Statt der verbotenen Durex-Präservative wird die Reifenfabrik Jaroslawl entsprechende russische Erzeugnisse auf den Markt bringen.“

Einige mahnten den korrekten Umgang mit sanktionierten Waren an: „Ihr habt ja alles verwechselt! Tomaten müssen zerdrückt, die Kondome zerstochen werden.“

Pessimisten sehen schwarz: „Die Russen fangen an, ihre Durex-Kondome nach jedem Mal zu waschen.“

Da dauerte es nicht lang, bis erste Unternehmer das große Geschäft witterten: „Verkaufe Durex im guten Zustand. Gepflegt.“

Und Drogendealer machten schnell eine Umschulung: „Hey, brauchst du ein paar Durex?“

Nur die Stammtischphilosophen bleiben sich und den wahren Werten treu: „Wer braucht schon Durex, wenn er Billigwodka hat?“

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