Elektro-Festival Outline: Moskauer Behörden erzwingen Absage

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In Moskau wurde das Outline, das wichtigste Festival der elektronischen Musik in Russland, nur wenige Stunden vor Beginn verboten. Empörte Fans beschimpfen die russischen Behörden, die Beamten geben die Schuld den Veranstaltern.

In den erst zwei Jahren seines Bestehens ist das Festival Outline zu einem Mekka für Fans der elektronischen Musik geworden. Die Veranstalter richteten vernachlässigte Orte, wie die vermüllte Moskwa-Flussaue oder stillgelegte Fabriken, wieder her, realisierten ein komplexes Bühnensystem und luden Musiker und Maler aus der ganzen Welt ein. Das Online-Magazin Afisha.ru sagte über Outline, es sei das „erste Festival in Moskau, das nicht so ist wie die Festivals im Ausland, zu dem auch ausländische Besucher kommen“.

Dieses Jahr hätte einen neuen Höhepunkt in der Festival-Geschichte markieren sollen. Dem zweitägigen Rave gingen monatelange Aufbauarbeiten voraus, über 100 Künstler sagten ihre Teilnahme zu (unter anderem The Residents, The Skatalites, Ricardo Villalobos), 12 000 Eintrittskarten wurden verkauft. „Meine Freunde haben letzte Woche gesagt, dass wir uns mehr auf das Outline als auf Weihnachten vorbereiten, da musste ich lachen“, erzählt Greta Luсas, Mitarbeiterin im Informationszentrum der deutschen Wirtschaft in Moskau. Sie meint, „das Outline-Festival war die größte Veranstaltung nicht nur für russische Fans der elektronischen Musik aus Moskau, sondern auch aus anderen Ländern und Städten“.

Party abgesagt

Doch nur wenige Stunden vor Show-Beginn am vergangenen Samstag hieß es plötzlich auf der Facebook-Seite von Outline: „Das Festival wurde aus von den Veranstaltern unabhängigen Gründen abgesagt.“ Auf Anweisung der Moskauer Staatsanwaltschaft riegelte die Polizei das Fabrikgelände im Südosten Moskaus, wo der Rave stattfinden sollte, ab.

Der Präfekt des Südöstlichen Bezirks erklärte, der Antrag zur Durchführung des Festivals sei von den Veranstaltern zu spät gestellt worden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte Outline auch andere Probleme. „Nach derzeitigem Stand gab es keinen Brandschutz auf dem Gelände der Fabrik“, sagte ein Sprecher dem Fernsehsender Life.

Die plötzliche Absage des Festivals entsetzte die Besucher. „Es war schockierend“, sagt Greta Lucas, „vor allem weil es mir leid tut, dass die ganze Arbeit der Veranstalter und der anderen Leute, die ihr Bestes für die Installationen und so weiter gegeben haben, für die Katz war. Ich ärgere mich über die Polizei wegen der Absage des Events“.

In den sozialen Netzwerken ließen die frustrierten Festivalbesucher ihren Gefühlen freien Lauf. „Alles Lebendige, Echte, mit Liebe Gemachte wird getötet. Ich bin von der Entscheidung der Regierung tief enttäuscht“, schrieb die Journalistin Xenija Tschudinowa auf Facebook. Sie traf damit einen allgemeinen Nerv: Mit der Gleichgültigkeit, mit der die Moskauer Behörden den Musikliebhabern begegneten, provozierten sie die Menschen zu Ungehorsamkeit. „Wie kann man aus einem Rave einen organisierten Protest machen? Verbieten“, schrieb ein Facebook-Nutzer spöttisch.

Mögliche Fahrlässigkeit

Die Veranstalter äußerten sich am Wochenende nicht zu den Vorwürfen. Über die tatsächlichen Gründe der Absage wie ein zu spät gestellter Antrag wurde viel spekuliert. Die meisten Fans des Festivals bezweifelten jedoch, dass die Veranstalter „so einen dummen Fehler“ gemacht haben könnten.

Stepan Kasarjan, der selbst Musikfestivals organisiert, hält das hingegen durchaus für möglich; viele Veranstalter nähmen Genehmigungen von Events nicht ernst, sagt er. „Viele glauben, dass die Behörden nichts von Musikfestivals verstehen und es gar nicht merken, wenn eine Veranstaltung durchgeführt wird“, berichtete Kasarjan RBTH. „Ich will nicht behaupten, dass dies auch auf Outline zutrifft. Aber wenn die Veranstalter das Festival tatsächlich rechtzeitig beantragt haben, dann können sie das entsprechende Dokument ja vorzeigen und das Unrecht der Beamten belegen. Bis jetzt gab es dieses Dokument nicht.“

Erst am Montagabend kommentierten die Veranstalter die Absage. Auf der Facebookseite des Festivals erklärten sie, sie hätten damit gerechnet, dass „alle nötigen Formalitäten geregelt würden“ und sie alle notwendigen Sicherheitsmaßnahmen unternommen hätten, doch diese seien „nicht ausreichend“ gewesen. Direkte Kritik an den Behörden gab es keine. Stattdessen versprachen die Veranstalter, die Kosten für die Eintrittskarten zu erstatten.

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