Gefährliche Fahrweise: Verkehrsrowdys werden künftig bestraft

Die Strafen für Verkehrssünder werden im Herbst festgelegt.

Die Strafen für Verkehrssünder werden im Herbst festgelegt.

Vladimir Smirnov/TASS
Russlands Straßen gelten im Allgemeinen nicht als besonders sicher. Dem soll ein Ende gesetzt werden: Im Mai dieses Jahres wurde eine Liste gefährlicher Fahrmanöver in die russische Straßenverkehrsordnung aufgenommen, die künftig unter Strafe stehen.

Was versteht man unter einer „gefährlichen Fahrweise“?           

Wenig überraschend wird eine „gefährliche Fahrweise“ als offensives Fahren definiert, das andere Verkehrsteilnehmer – und dazu zählen auch Fußgänger – gefährdet. Die Liste umfasst sechs Manöver, die die häufigsten Unfallursachen sind. Insbesondere die Ausführung mehrerer gefährlicher Fahrmanöver innerhalb kurzer Zeit wird bestraft, denn man geht davon aus, dass ein einmaliges Gefährden entweder erzwungen oder auf Fehler der Fahrer, die ansonsten defensiv fahren, zurückgeführt werden können.

Was genau wird bestraft?

Gefährliche Fahrmanöver, die am häufigsten vorkommen, sind:

  • „Schachspiel“: So wird ein häufiger Spurenwechsel bezeichnet, während alle Fahrstreifen belegt sind. 

  • „Gartenbeet“: Dieses Fahrmanöver ist zum Beispiel typisch für Motorradfahrer, die Autos überholen wollen. Sie kommen Autos zu nah und verursachen so eine Gefahrensituation. Die Nichteinhaltung des Seitenabstands ist im Seitenspiegel wesentlich schwerer zu erkennen, weswegen ein Zusammenstoß kaum zu vermeiden ist. 

  • „Der Sture“: Damit sind Fahrer gemeint, die anderen das Überholen erschweren. Besonders gefährlich ist das Fahrmanöver auf zweispurigen Landstraßen, wo Fahrer beim Überholen auf die Gegenfahrbahn ausweichen müssen. 

  • „Der Erzieher“: Darunter versteht die neue Straßenverkehrsordnung ein absichtliches und überflüssiges Abbremsen vor anderen Fahrzeugen. Besonders ärgerlich, wenn der Vorausfahrende Sie auf dem Weg zu einem wichtigen Termin oder zum Flughafen behindert. 

  • „Der Drängler“: Dieser Verstoß ist besonders typisch für russische Straßen, vor allem für leere Autobahnen. Ein Fahrzeug nähert sich mit hoher Geschwindigkeit einem Vorausfahrenden und fordert diesen mit Lichthupe auf, die Spur zu räumen. Hierbei wird der Sicherheitsabstand drastisch unterschritten, was die Nerven besonders strapaziert. Nach der Verkehrsordnung ist der Vorausfahrende nicht verpflichtet, die Spur zu räumen. Kranken-, Polizei- oder Feuerwehrwagen, die immer vorgelassen werden müssen, haben es nicht nötig, auf diese Art und Weise zu drängeln.

  • „Der Genervte“: Ein weiteres wichtiges Fahrmanöver für den dreisten Fahrer. Darunter versteht man einen Spurwechsel dicht vor dem Überholten, der nicht verpflichtet ist, die Fahrbahn zu räumen. Das führt häufig zu Unfällen, da der Überholte oft einfach nicht in der Lage ist, schnell auf das Auto zu reagieren, das sich plötzlich dicht vor ihn einordnet. 

Wie werden die Verstöße festgestellt?

Außer den üblichen Verkehrsüberwachungskameras darf die Polizei auch auf Aufzeichnungen von Dashcams zurückgreifen, mit denen in Russland viele Autos und die meisten Polizeiwagen ausgestattet sind. Auf diese Art und Weise sollen mehr Verkehrssünder ausfindig gemacht werden.

Wie werden die Verstöße bestraft?

Die Strafen für Verkehrssünder nach der neuen Straßenverkehrsordnung werden im Herbst festgelegt. Zuerst wurden 5 000 Rubel (etwa 70 Euro) vorgeschlagen, doch dieser Betrag galt vielen als zu niedrig. Es gibt unterschiedliche Vorschläge, bis hin zum Führerscheinentzug. Dieser käme allerdings nur für Wiederholungstäter infrage.

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