Skandal in Tschetschenien: Kinderkämpfe bei Mixed-Martial-Arts-Turnier

Die Kämpfe der Kinder, lediglich durch Handschuhe geschützt, wurden russlandweit übertragen und manch einem schienen sie ein äußerst brutales und durch nichts zu rechtfertigendes Spektakel zu sein.

Die Kämpfe der Kinder, lediglich durch Handschuhe geschützt, wurden russlandweit übertragen und manch einem schienen sie ein äußerst brutales und durch nichts zu rechtfertigendes Spektakel zu sein.

FC Akhmat in Vkontakte
In Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens, fand am Dienstag ein Mixed-Martial-Arts-Turnier statt, während dem der gerade einmal zehn Jahre alte Sohn des Präsidenten der Teilrepublik Ramsan Kadyrow live im Fernsehen einen gleichaltrigen Jungen aus Sotschi K.o. schlug. Die russische Öffentlichkeit zeigt sich von der Brutalität des Spektakels schockiert. Die Reaktion der Politik fällt bislang verhalten aus.

In der tschetschenischen Hauptstadt Grosny fand an diesem Dienstag unter dem Namen Grand Prix Akhmat 2016 ein internationales Mixed-Martial-Arts-Turnier statt, das sich zu einem russlandweiten Skandal entwickelte. Im Ring standen bei dem Turnier auch Kinder, unter ihnen die drei Söhne des Präsidenten der Teilrepublik Ramsan Kadyrow, von denen der älteste gerade einmal zehn Jahre alt ist. Trotz ihres jungen Alters kämpften die Kinder aber wie die Großen, mit Schlägen und Fußtritten gegen den Kopf.

Alle drei Söhne siegten und der zehnjährige Achmat legte seinen Gegner aus Sotschi nach nur vierzehn Sekunden auf die Matte. Während die Zöglinge des tschetschenichen Präsidenten ihre Siege dem 40. Geburtstag des Vaters widmeten, weinte der besiegte Junge aus Sotschi bitterlich. Kadyrow, der die Wettkämpfe von seinem reichgedeckten Tisch in der VIP-Lounge aus mitverfolgte, machte keinen Hehl aus seinen Emotionen.

„Das ist durch nichts zu rechtfertigen“

Die Kämpfe der Kinder, lediglich durch Handschuhe geschützt, wurden russlandweit übertragen und manch einem schienen sie ein äußerst brutales und durch nichts zu rechtfertigendes Spektakel zu sein. In Tschetschenien allerdings sieht man das anders: „Die Jungen haben sich als richtige Männer und Kämpfer gezeigt, so wie es sich geziemt“, sagte Timur Dugasajew, Kadyrows Vertreter in Europa und Generaldirektor des Boxpromoters Akhmat Promotion.

Am nächsten Tag reagierte der Präsident des russischen MMA-Verbandes auf die Geschehnisse in Grosny. Fjodor Jemeljanenko, neben seiner Funktion als Präsident des Verbandes auch einer der bekanntesten MMA-Sportler, erinnerte auf Instagram daran, dass Kindern unter zwölf Jahren laut den ММА-Regeln eine Teilnahme überhaupt nicht gestattet sei: „Was gestern Abend bei dem Turnier in Grosny passiert ist, ist absolut unzulässig und durch nichts zu rechtfertigen! (…) Kinder unter zwölf Jahren dürften nach den Regeln nicht einmal den Zuschauerraum betreten, aber hier haben sich achtjährige Knirpse vor den Augen der begeisterten Erwachsenen geprügelt.“

In sozialen Netzwerken wird Aufarbeitung gefordert

Die Reaktionen aus Moskau sind bislang zurückhaltend. „Wenn das im Fernsehen gezeigt wurde und wenn es der Wirklichkeit entspricht, diese K.o.-Schläge von Kindern in einer Live-Übertragung, so ist es wohl zweifellos angebracht, dass sich die entsprechenden Aufsichtsbehörden für den Fall interessieren“, sagte Dmitrij Peskow, Pressesprecher des russischen Präsidenten.

Die Kinderrechtsbeauftragte Anna Kusnezowa hatte gar ganze zwei Tage zu dem Vorfall geschwiegen, und erst nachdem sich der Kreml bereits geäußert hatte, erklärt, dass „geklärt werden muss, inwieweit die Durchführung solcher Art von Wettkämpfen gängige Praxis ist und wie sie sich auf die Gesundheit von Kindern auswirken“.

In den sozialen Netzwerken kann man mit solch vorsichtigen Formulierungen nichts anfangen. Posts über Kämpfe, an denen auch Kinder teilnehmen, sind häufig mit dem Hashtag Schestj („Hardcore“) versehen, meist werden die Wettkämpfe mit der Erziehung im antiken Sparta verglichen. „Wo schaut die Kinderrechtsbeauftragte bloß hin?“, ist die am häufigsten gestellte Frage.

Verliert Putin die Kontrolle über Tschetschenien?

„Ramsan legt die Messlatte wieder einmal ein Stück tiefer“, schreibt Andrej Galperin, und spielt damit offensichtlich auf die gängige Praxis der Föderationsbehörden an, Konflikte mit Tschetschenen auszubremsen, egal in was diese auch verwickelt sein mögen.

Bei der diesjährigen live übertragenen Fragerunde zwischen dem Präsidenten Putin und Journalisten erläuterte Putin seine Position zum tschetschenischen Präsidenten Kadyrow, der durch seine Skandale immer wieder in die Schlagzeilen gerät. Auf die Frage des Chefredakteurs des Radiosenders „Goworit Moskwa“, Sergej Dorenko, wo die Grenze des für Tschetschenen Zulässigen liege („Wo ist Schluss?“), schlug der Präsident vor, „von der Realität auszugehen“. „Verstehen Sie denn, was das für Menschen sind?“, fragte der Präsident und erinnerte daran, dass Ramsan Kadyrow, heute Präsident Tschetscheniens, vor noch nicht allzu langer Zeit mit der Waffe in der Hand im Wald herumgerannt sei und die russische Armee bekämpft habe.

Tschetscheniens Oberhaupt: Kadyrow ohne Grenzen?

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