Google-Fragen: Warum ist Russland so riesig?

„Wie wird Wodka ...?“, „Warum ist Putin ...?“ – in der Reihe „Warum Russland?“ gibt RBTH Antworten auf die beliebtesten Suchmaschinen-Anfragen über das weltweit größte Land. Apropos: Warum ist Russland eigentlich so groß?

Die Transsibirische Eisenbahn führt durch ganz Russland: von Moskau über den Ural bis zum Baikalsee und dem Pazifik. / Getty ImagesDie Transsibirische Eisenbahn führt durch ganz Russland: von Moskau über den Ural bis zum Baikalsee und dem Pazifik. / Getty Images

Russland ist mit einer Fläche von 17,1 Millionen Quadratkilometern das größte Land der Welt. Es ist ungefähr 47-mal so groß wie Deutschland und 25-mal so groß wie Frankreich. Dabei war die Fläche früher sogar einmal noch größer.

Eroberung im Osten

Zunächst hatte sich Russland als traditioneller europäischer Staat gebildet. Bis zum 16. Jahrhundert kämpften zahlreiche Fürstentümer gegeneinander, bis Moskau die Oberhand gewann. Moskau gelang es, seine Konkurrenten zu unterdrücken und die von Russen bewohnten Gebiete zu vereinen.

Dann wurde es interessant. Bereits unter Iwan dem Schrecklichen (1533-1584) zogen russische Kosaken aus, um das Land hinter dem Uralgebirge zu erobern, bekannt als Sibirien und den Fernen Osten. Der asiatische Teil macht heute 77 Prozent des russischen Staatsgebiets aus. Mit der Erschließung Sibiriens wurde Russland folglich zum Land mit der größten Fläche.

Der Erschließungsprozess verlief problemlos. Bereits im Jahr 1645 gelangten die Russen bis an die Pazifikküste. Wladimir Kolossow, Präsident der Internationalen Geographischen Union, sieht zwei Gründe, weshalb die Expansion nach Sibirien und in den Fernen Osten nicht auf Widerstand gestoßen ist.

Erstens: In den weiten und kalten Gebieten lebten nur wenige Menschen. „Selbst heute beträgt die Bevölkerungsdichte nur zwei Einwohner pro Quadratkilometer. Im 17. Jahrhundert waren es noch weniger“, erklärt Kolossow. Zweitens: Die meisten Stämme, die in Sibirien siedelten, akzeptierten die Zugehörigkeit zu Russland bereitwillig.

„Die Russen versuchten nicht, die lokalen Stämme zu unterdrücken. Sie interessierten sich überwiegend für Pelze, ein wertvolles Gut im Handel mit den Europäern“, erklärt Wladimir Kolossow. Die indigenen Völker konnten ihre Traditionen pflegen, während Russland Sicherheit im Tausch gegen Tribut (Steuer) garantierte. Das hätten alle akzeptiert, weshalb die Eroberung Sibiriens weitgehend friedlich verlaufen sei, unterstreicht der Experte.

Kämpfe im Süden und Westen

Nach Westen und Süden hin dehnte sich das Russische Reich um einiges langsamer aus. Grund dafür waren ständige Kämpfe – einflussreiche Länder wie Polen oder die Türkei machten diese Gebiete strittig. Schließlich erlangte das Russische Kaiserreich eine sagenhafte Größe, die mit 21,8 Millionen Quadratkilometer das heutige Russland noch überragte.

Dieses gewaltige Land zu regieren, war eine Herausforderung. Der russische Beamte Alexander Polowzow mahnte im Jahr 1865, Russland würde zu groß, um noch zu verstehen, was an den Grenzen geschehe. „Heute kam die Nachricht, dass General Tschernjajew Taschkent (die Hauptstadt Usbekistans, Anm. d. Red.) eroberte. Niemand weiß, wozu und warum. Es hat eine gewisse Erotik, was an den Grenzen von unserem Reich geschieht …“

Die Nachfolgerin dieses Reiches, die Sowjetunion, war noch größer. Ihre Gesamtfläche betrug 22,4 Millionen Quadratkilometer. Mit dem Zerfall der UdSSR in 15 verschiedene Staaten entstand das heutige Russland.

Trotz seiner enormen Größe liegt Russland gemessen an der Bevölkerungszahl mit 146 Millionen Einwohnern weltweit nur auf dem neunten Platz. Selbst in Japan, dessen Staatsgebiet 45-mal kleiner ist, leben zehn Millionen mehr Menschen. Der Grund dafür, so erinnert Wladimir Kolossow, ist, dass Großteile des Fernen Ostens und Sibiriens vor allem im Norden aufgrund des Klimas so gut wie unbewohnbar sind.

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