Reaktionen auf Terroranschlag: „Der Schmerz zerreißt unser Herz“

Der russische Präsident Wladimir Putin legt Blumen an der U-Bahn-Station Technologisches Institut in Sankt Petersburg nieder.

Der russische Präsident Wladimir Putin legt Blumen an der U-Bahn-Station Technologisches Institut in Sankt Petersburg nieder.

Kremlin.ru
Die Explosion in der Sankt Petersburger U-Bahn wurde offiziell als Terroranschlag eingestuft. Politiker und Personen des öffentlichen Lebens, in Russland wie auch im Ausland, sprachen den Opfern und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme aus und zeigten sich solidarisch im gemeinsamen Kampf gegen den Terrorismus. In der Stadt wurde Trauer ausgerufen.

Der russische Präsident Wladimir Putin legt Blumen an der U-Bahn-Station Technologisches Institut in Sankt Petersburg nieder. / Kremlin.ruDer russische Präsident Wladimir Putin legt Blumen an der U-Bahn-Station Technologisches Institut in Sankt Petersburg nieder. / Kremlin.ru

Die Explosion in der Sankt Petersburger Metro am gestrigen Montag, die nach offiziellen Angaben 14 Menschen das Leben gekostet hat, wurde vom russischen Ermittlungskomitee als Terroranschlag eingestuft. Diese Option galt von Anfang als die wahrscheinlichste, gleichwohl Präsident Wladimir Putin sagte, es würden gegenwärtig „alle Versionen (des Vorfalls) geprüft“.

Einige Stunden nach dem Anschlag tauchte in den Medien das Foto einer Person mit Bart und dunkler Kleidung auf. Sie soll in dem U-Bahn-Waggon einen Rucksack mit der Bombe zurückgelassen haben. Nach Angaben des Fernsehsenders REN verließ er ohne Eile die Metro-Station, wonach sich seine Spur verlor. Die Polizei hat die Bevölkerung um Mithilfe gebeten.

Wut und Trauer

„Das ist ein scheußlicher Terroranschlag, deren Hintermänner und Vollstrecker ermittelt und hart bestraft werden müssen“, schrieb Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow auf Instagram neben einem Foto von Putin mit dessen Worten, er halte einen Terroranschlag für möglich. Kadyrow nannte die vermutlichen Drahtzieher des Terroranschlags „Verbrecher“, denen „nicht nur hart, sondern unbarmherzig“ geantwortet werden müsse, da sie mit Moralpredigten nicht zu überzeugen seien.

Andere russische Politiker äußerten sich vorsichtiger und beschränkten sich darauf, nach der Explosion den Angehörigen der Opfer ihr Beileid auszusprechen. „Das ist unser gemeinsamer Schmerz“, schriebMinisterpräsident Dmitrij Medwedjew auf Facebook. Der Gouverneur von Sankt Petersburg, Georgij Poltawtschenko, nannte das Geschehen eine „schreckliche Tragödie“ und rief alle Bewohner der Stadt auf, wachsam und vorsichtig zu sein.

Die Föderale Tourismusagentur Rosturism bat die Besucher der Stadt, Ruhe zu bewahren. Nach vorläufigen Informationen waren unter den Toten und Verletzten des Terroranschlags keine Touristen.

Stimmen der Anteilnahme

Menschen besuchen eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Explosion in der Sankt Petersburger U-Bahn, Moskau.  / ReutersMenschen besuchen eine Gedenkveranstaltung für die Opfer der Explosion in der Sankt Petersburger U-Bahn, Moskau. / Reuters

Die internationalen Reaktionen auf den mutmaßlichen Terroranschlag erfolgten in der Art, wie es bei großen Anschlägen üblich ist. Politiker und offizielle Vertreter bekundeten ihre Trauer und Solidarität mit Russland.

„(Ich bin) entsetzt über die Nachricht der Explosion in Sankt Petersburg“, schrieb zum Beispiel der britische Außenminister Boris Johnson auf Twitter, „(m)ein Mitgefühl den Opfern und ihren Angehörigen“. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Explosion und erklärte, dass die Verantwortlichen die Konsequenzen für diese schreckliche Tat tragen müssten.

Einige kondolierten auf Russisch, wie zum Beispiel die Botschaft der USA in Russland. Und Apple-Chef Tim Cook schrieb in Kyrillisch: „Aufrichtiges Beileid allen, die von der Tragödie in Sankt Petersburg betroffen sind“ und fügte ein Emoji mit der russischen Flagge hinzu.

Verkehrschaos

Ein Mann legt Blumen an einem Denkmal vor der Kremlmauer in Moskau nieder.  / ReutersEin Mann legt Blumen an einem Denkmal vor der Kremlmauer in Moskau nieder. / Reuters

Währenddessen waren die Petersburger Behörden mit den Folgen der Explosion beschäftigt – sämtliche U-Bahn-Stationen wurden geschlossen und die Straßen der Millionenstadt erstickten im Stau. Die Stadtverwaltung ordnete den öffentlichen Nahverkehr an, die Menschen kostenlos zu transportieren, auch die Taxiunternehmen kamen ihren Kunden entgegen und erließen ihnen die Kosten für Fahrten aus dem Zentrum.

Darüber hinaus boten Petersburger in den sozialen Netzwerken über den Hashtag #domoj („nach Hause“) Mitfahrgelegenheiten an. Wer auf der Suche nach einem Fahrer war, konnte sich über eine Liste finden lassen. „In solchen Augenblicken müssen wir zusammenrücken“, hieß es dort.

Es gab auch vereinzelt Fahrer, die die Situation ausnutzten und ihre Preise anhoben, doch die selbstlosen Helfer waren in der deutlichen Überzahl. „Die Menschen haben sich daran erinnert, dass sie Menschen sind“, schrieben einige Petersburger in den sozialen Medien.

Solidarität der Städte  

Eine Frau stellt in Gedenken an die Opfer der Explosion in der U-Bahn eine Kerze an der U-Bahn-Station Spasskaja auf, Sankt Petersburg.  / ReutersEine Frau stellt in Gedenken an die Opfer der Explosion in der U-Bahn eine Kerze an der U-Bahn-Station Spasskaja auf, Sankt Petersburg. / Reuters

In Sankt Petersburg wurde eine dreitägige Trauer als Zeichen der Anteilnahme angeordnet. Menschen legten Blumen an der U-Bahn-Station Technologisches Institut, einer der Stationen, an der der Terroranschlag erfolgte, nieder.

Auch in Moskau wurden an der Stele der Heldenstadt Leningrad auf der Allee der Heldenstädte des Großen Vaterländischen Krieges Blumen niedergelegt. Die Säule zu Ehren der Heldenstadt Leningrad, wie Sankt Petersburg früher hieß, sei der geeignetste Ort, um Solidarität auszudrücken, erklärte einer der Kondolierenden der Nachrichtenagentur Tass. Die Stadt widerstand im Zweiten Weltkrieg 872 Tage lang einer Blockade durch die Deutschen.

Sogar die Fans des Moskauer Fußballvereins Spartak – die wegen der Rivalität zu Zenit Sankt Petersburg traditionell keine großen Freunde der Stadt sind –, sprachen ihr Mitgefühl aus. Bei einem Spiel rollten sie ein Banner aus, auf dem es hieß: „So groß ist der Schmerz, dass er unser Herz zerreißt. Sankt Petersburg, wir trauern mit dir!“

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