Terror in Sankt Petersburg: So sieht der Stand der Ermittlungen aus

Abror Asimow soll eine Schlüsselrolle in der Terrorzelle gespielt haben.

Abror Asimow soll eine Schlüsselrolle in der Terrorzelle gespielt haben.

Reuters
Im Zuge der Ermittlungen zum Terroranschlag in der Sankt Petersburger U-Bahn am 3. April wurden bereits zehn Verdächtige festgenommen. Auch der Auftraggeber sei mittlerweile identifiziert worden, so der Chef des Föderalen Sicherheitsdienstes. Alle Festgenommenen stammen aus Zentralasien und wohnten in Russland.

“Der Auftraggeber ist so gut wie bekannt…doch, es steht fest, er ist bekannt”, sagte Alexander Bortnikow, Chef des Föderalen Sicherheitsdienstes in einem Interview mit der Nachrichtenagentur „Interfax“. Genauere Angaben zur Person machte er dabei jedoch nicht, versprach aber, dass der Föderale Sicherheitsdienst “die Informationen nach und nach preisgeben“ werde.

Laut den Ermittlern wurde die selbstgebastelte Bombe vom Selbstmordattentäter Akbadschon Jalilow gezündet. Dieser stammte aus Kirgisien. Der Täter riss 15 Menschen mit in den Tod.  

Festnahmen in Sankt Petersburg und Moskau

Die ersten Mitteilungen über mögliche Verdächtige in dem Fall erschienen am 6. April: Ermittler teilten die Festnahme von acht Personen mit – sechs in Sankt Petersburg und zwei in Moskau. Bei ihnen seien Schusswaffen und Munition sowie eine Bombe gefunden worden, die jener aus der U-Bahn ähnele, hieß es. Alle Festgenommenen stammen aus den zetralasiatischen Republiken und gründeten laut den Ermittlern eine extremistische Terrorzelle, die sich dem IS angeschlossen haben könnte.

Die Festgenommenen selbst weisen die Vorwürfe bislang zurück. Laut Gazeta.ru widersprachen sie dem Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes vor Gericht. Der Anwalt einer der Festgenommenen behauptete zudem, man habe seiner Mandantin den gefundenen Sprengkörper bei der Durchsuchung untergeschoben. Die Argumente der Verdächtigen waren jedoch nicht überzeugend und das Gericht ordnete eine zweimonatige Untersuchungshaft an.

Die Brüder Asimow

Akram Asimow festgenommen soll laut den Ermittlern bei Geldtransfers mitgeholfen und eine Verbindung zu „Emissären der Terrororganisationen” gehabt haben. / Russian FSB/TASSAkram Asimow festgenommen soll laut den Ermittlern bei Geldtransfers mitgeholfen und eine Verbindung zu „Emissären der Terrororganisationen” gehabt haben. / Russian FSB/TASS

Weitere anderthalb Wochen später, am 17. April, wurde eine Videoaufnahme der Festnahme des mutmaßlichen Auftraggebers Abror Asimow in einem Vorort Moskaus veröffentlicht. Die Zeitung „Kommersant” berichtete unter Berufung auf Quellen in den Sicherheitsbehörden, dass Asimow eine Schlüsselrolle in der Terrorzelle gespielt und das einzige Mitglied gewesen sei, mit dem der Selbstmordattentäter vor dem Terroranschlag Kontakt gehabt habe.

Vor Gericht bekannte sich Asimow schuldig, fügte jedoch hinzu, dass er an der Vorbereitung des Terroranschlags nicht unmittelbar beteiligt gewesen sei: „Mir wurde das Ganze nicht bewusst. Ich habe Anweisungen bekommen und sie erfüllt”. Zwei Tage später, am 19. April, wurde auch sein älterer Bruder Akram Asimow festgenommen, der laut den Ermittlern bei Geldtransfers mitgeholfen und eine Verbindung zu „Emissären der Terrororganisationen” gehabt habe. So wurden insgesamt zehn Personen verhaftet.  

Verwandte widersprechen den Behörden

Abror und Akram Asimow sind russische Bürger, geboren wurden sie jedoch in der Stadt Osch im Süden Kirgisiens. Deren Verwandte behaupten, dass die Beteiligung der Brüder inszeniert wurde und ihre Verhaftung gesetzwidrig sei. Mehr noch: Die Mutter der beiden Festgenommenen, Wasira Asimowa, sagte kirgisischen Journalisten, dass Akram am 14. April in Osch operiert worden sei und kirgisische Geheimdienstler ihn im Krankenhaus verhaftet hätten. Am 19. April wurde er dann schließlich in Moskau festgenommen. 

Das Staatskomitee der nationalen Sicherheit Kirgisiens wollte die Aussage der Mutter über die Festnahme und einen möglichen Transport ihres Sohnes nach Russland nicht kommentieren. „Nicht wir leiten die Ermittlungen. Der Föderale Sicherheitsdienst Russlands ermittelt und die Verdächtigen sind ebenfalls russische Bürger”, sagte ein Vertreter des Komitees gegenüber Gazeta.ru.

Führt die Spur in die Türkei?

Ein FSB-Mitarbeiter durchsucht Abror Asimow bei seiner Festnahme nach dem Terroranschlag in Sankt Petersburg. / Russian FSBEin FSB-Mitarbeiter durchsucht Abror Asimow bei seiner Festnahme nach dem Terroranschlag in Sankt Petersburg. / Russian FSB

Eine andere Quelle im Komitee erzählte „Interfax“ von einem weiteren Verdacht, den kirgisische und russische Geheimdienste prüften. So könnten die Brüder Asimow und Selbstmordattentäter Jalilow von Islamisten in der Türkei rekrutiert worden sein, wohin „sie mehrmals reisten”. 

Nicht zum ersten Mal rückt die Türkei im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Terroranschlag in Sankt Petersburg in den Fokus. Die Zeitung „Fontanka” hatte bereits zuvor berichtet, dass Abror Asimow im Jahr 2016 zwei Mal – im März und im Oktober – in die Türkei reiste. Von seiner zweiten Reise kehrte er dabei auf Umwegen zurück – über Seoul und Wladiwostok. Laut türkischen Medien reiste auch Jalilow in die Türkei. Dort wohnte er zwischen November 2015 und Dezember 2016 für mehr als ein Jahr und wurde letztlich wegen der Überschreitung seines Aufenthaltstitels abgeschoben. Diese Informationen sollen laut der Zeitung „RBK“ aus türkischen Regierungskreisen bestätigt worden sein.  

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