Angst vor Abschiebung treibt russischen Oppositionellen in Suizid

Der russische Oppositionsaktivist Alexander Dolmatow hat am Donnerstag in den Niederlanden Selbstmord begangen. Am Vortag hatten die niederländischen Behörden seinen Asylantrag abgelehnt. Dolmatows Freunde berichteten, dass ihm in Russland ein Gerichtsprozess wegen seiner Teilnahme an Massenunruhen gedroht hätte. Die niederländischen Behörden verlangten von dem Mitglied der Oppositionsbewegung „Anderes Russland" ausführliche Informationen über seinen Job in einem russischen Militärbetrieb.

Dolmatow war im Juli 2012 aus Russland geflüchtet. Am 6. Mai hatte er sich an einer Protestkundgebung auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau beteiligt. Damals wurden fast 20

Protestierende festgenommen. Wie der Sprecher von „Anderes Russland", Alexander Awerin, dem „Kommersant" sagte, war Dolmatows Wohnung durchsucht worden. Anschließend setzte er sich aus Russland ab und beantragte Asyl in den Niederlanden. Der Antifaschist Denis Solopow, der nach einem Überfall auf die Stadtverwaltung des Moskauer Vororts Chimki im Jahr 2010 Asyl in den Niederlanden erhalten hatte, sagte dem „Kommersant", dass Dolmatow seit Anfang Januar keinen Kontakt mehr mit seiner Mutter und seinem Anwalt gehabt habe. „Gestern bekam ich noch eine SMS von ihm, in der er mitteilte, dass er sich in Abschiebehaft am Flughafen Rotterdam befand. Dann wurde bekannt, dass Alexander sich das Leben genommen hat."

Wie Dolmatows Anwälte herausgefunden haben, hatte er zuvor bereits zweimal versucht, Selbstmord zu begehen, zuletzt am vergangenen Sonntag. „Er wurde gerettet und hätte in einer Sonderabteilung untergebracht werden müssen. Stattdessen landete er aber in einem Gefängnis, wo niemand seinen Zustand kontrollierte", so Geert Ates von der Menschenrechtsorganisation United.

Menschenrechtsorganisationen werfen den Behörden in Den Haag vor, Dolmatows Tod fahrlässig in Kauf genommen zu haben. „Die Niederländer kritisieren Russland für seine Gleichgültigkeit bezüglich der Menschenrechte, wollen aber aus wirtschaftlichen Interessen keinen Ärger mit den russischen Behörden haben. Der Flüchtlingsstatus wird allen gewährt, nur nicht den Menschen, die ihn wirklich brauchen", sagte der Leiter des Verbandes „Rechtsanwälte für Menschenrechte", Jewgeni Archipow.

„Wir werden uns mit dieser Situation beschäftigen", so der Vorsitzende des Menschenrechtsrates beim russischen Präsidenten, Michail Fedotow. Ein Sprecher von Amnesty International teilte mit, dass eine entsprechende Beschwerde an die niederländischen Behörden vorbereitet werde. Vor der niederländischen Botschaft in Moskau ist heute eine Kundgebung geplant. Am Samstag findet eine ähnliche Aktion in der ukrainischen Hauptstadt Kiew statt.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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