Bulgarien setzt auf russische AKW-Technologie

Bei einem am 27. Januar durchgeführten Referendum stimmte eine große Mehrheit für den Bau eines neuen Atomkraftwerks in Bulgarien. Nun muss sich das Parlament mit der Standortfrage und dem Bau befassen.

Die bulgarische Bevölkerung befürwortet eine Energieversorgung mit Atomenergie. Das ergab das am 27. Januar durchgeführte Referendum über den Bau eines

neuen Atomkraftwerks in Bulgarien, bei dem folgende Frage gestellt wurde: „Soll die Atomenergie in Bulgarien durch den Bau eines neuen Atomkraftwerks weiterentwickelt werden?" 61 Prozent der Wähler votierten für das neue AKW und 35 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung betrug allerdings gerade einmal 21,8 Prozent und lag damit nur knapp über dem Mindestbeteiligungsquorum. Dies bedeutet nun für Bulgarien, dass sich das Parlament und die Regierung mit dem Bau des neuen AKW befassen müssen.

Das Referendum wurde von der sozialistischen Opposition, der Partei BSP, initiiert. Anfangs hatte man geplant, die entscheidende Frage konkreter zu stellen und die Bulgaren über die Notwendigkeit eines neuen AKW in der Stadt Belene zu befragen. Schlussendlich entschied man sich aber dafür, die Frage allgemeiner zu gestalten.

Die internationale Ausschreibung über den Bau des AKW „Belene" wurde 2005 veröffentlicht. Dabei erhielt die Firma Atomstroiexport, ein Tochterunternehmen von Rosatom, den Zuschlag. 2007 wurde dann das russische Projekt genehmigt. Es beachtet sämtliche europäische Technikstandards, die ein AKW mit Leichtwasserreaktoren der neuesten Generation erfüllen muss. Am 18. Januar 2008 wurde schließlich der Vertag über die Ausstattung des Werks unterzeichnet.

Mittlerweile haben sich jedoch die Pläne Bulgariens geändert. Derzeit plant man nämlich am Standort, wo das Kraftwerk „Belene" gebaut wird, ein Gaskraftwerk zu errichten. Die bulgarische Regierung möchte allerdings den fast fertiggestellten russischen Reaktor für das sich noch im Bau befindliche AKW „Belene" im aktiven AKW „Kosloduj" einsetzen. So sollen im einzigen in Betrieb befindlichen Atomkraftwerk Bulgariens die Reaktorblöcke von zwei auf drei aufgestockt werden. Derzeit werden im AKW „Kosloduj" die Reaktorblöcke Fünf und Sechs betrieben, deren Lizenzen in den Jahren 2017 bzw. 2019 auslaufen. Der bulgarische Wirtschaftsminister Deljan Dobrew gab jedoch vor kurzem bekannt, dass die beiden Blöcke des 1974 erbauten AKW bis 2030 oder sogar bis 2040 in Betrieb bleiben könnten.

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