Russlands Innenminister akzeptiert als Privatperson Todesstrafe für Schwerverbrecher

Russlands Innenminister Wladimir Kolokolzew hat in einem Interview gesagt, er finde nichts Anstößiges daran, besonders grausame Verbrechen mit Todesstrafe zu ahnden. Er sage das aber nicht als Minister, sondern als einfacher Bürger, betonte der 51-Jährige. In Russland wird seit 1996 keine Todesstrafe mehr angewandt.

In einem Interview für das russische Fernsehen wurde Kolokolzew, einst Chef der Moskauer Polizei, auf die jüngsten Kindermorde in Russland angesprochen. Am 2. Februar wurde in der Stadt Nabereschnyje Tschelny an der Kama ein achtjähriges Mädchen von einem Schänder entführt und getötet. Fünf Tage später fiel ein elfjähriges Mädchen im sibirischen Irkutsk einem Kinderschänder zum Opfer. Der TV-Moderator verwies darauf, dass nach diesen Morden Stimmen immer lauter würden, die eine Wiedereinführung der Todesstrafe fordern.

Der Minister antwortete, er halte die Appelle zur Todesstrafe für eine normale Reaktion der Öffentlichkeit auf solche Verbrechen. Auch wenn er damit „den Zorn der Gegner der Todesstrafe" auf sich ziehen könne, sähe er - nicht als Minister, sondern als einfacher Bürger - nichts Anstößiges daran, solche Täter mit Todesstrafe zu bestrafen. Die Entscheidung, gegen wen die Todesstrafe angewandt werden darf, müsse von der Schwere der Tat und der Gefährlichkeit des Täters abhängen.

In Russland ist seit 1999 die Todesstrafe de jure ausgesetzt. De facto hat das Land zuletzt 1996 einen Verurteilten hingerichtet.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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