"Alles zu seiner Zeit" - Gorbatschow stellt seine Autobiografie in Berlin vor

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow (82) hat am Mittwoch in Berlin seine Autobiografie "Alles zu seiner Zeit" vorgestellt.

Der Zeremonie im Berliner Ensemble wohnten unter anderem Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker (1984-1994) und der letzte Regierungschef der DDR Lothar de Maiziere (1990) bei, wie russische Medien berichteten. In dem Buch schildert Gorbatschow seine Kinder- und Jugendjahre, die

er in Südrussland verbracht hat. Er äußert sich auch zu seiner politischen Karriere, zum Atomunglück im ukrainischen Atomkraftwerk Tschernobyl, zu den Beziehungen zum ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin und zum Augustputsch 1991.

Im Mittelpunkt der 550-seitigen Autobiografie stehen aber die Geschichte seiner Liebe zu Raissa Maximowna und der Schmerz über ihren Tod an Blutkrebs im Jahr 1999. "Meine erste Liebe ist meine Frau, die zweite Liebe ist die Politik", gestand Gorbi, wie ihn die Deutschen gerne nennen.

"Hilflos und verstört" sei er nach ihrem Tod gewesen, schrieb der Ex-Kremlchef. "Mein Leben hatte seinen eigentlichen Sinn verloren." Bis heute lasse ihn das Gefühl einer Mitschuld nicht los. "Als ich (1985) zum Generalsekretär gewählt wurde, sagte ich ihr, dass wir auch künftig so leben sollten wie bisher", sagte Gorbatschow bei der Präsentation. "Meine Schuld bestand darin, dass sie mit mir mein Schicksal und den Stress teilen musste." Raissas Tod habe ihn dazu bewogen, dieses Buch zu verfassen, gestand Gorbi.

Er sprach sich für die weitere Annäherung zwischen Moskau und Berlin aus. "Wir müssen einander besser kennen, um einander besser zu verstehen. Unsere gemeinsame Geschichte ist derart reich, dass einige Kapitel problemlos gestrichen werden könnten. Trotz allem bleiben wir Partner und setzen unsere Zusammenarbeit fort", sagte der Ex-Präsident.

Die Rechte auf die deutsche Ausgabe der Autobiografie hatte der Verlag Hoffmann und Campe erworben. Alle Änderungen und Ergänzungen zur deutschen Ausgabe sprach die Übersetzerin Birgit Veig mit Gorbatschow ab. Der Verlag rechnet mit einem Erfolg der Autobiografie, die an diesem Donnerstag in den Buchhandel kommt.

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