Trotz WTO-Beitritt: Import-Klamotten in Russland x-mal so teuer wie in Europa

Die Preise für Import-Qualitätswaren, insbesondere für Kleidung, in den russischen Läden werden laut dem russischen Wirtschaftsminister Andrej Beloussow erst in fünf Jahren dem Preisniveau in

Europa entsprechen. Die derzeitige Überteuerung führt der Minister auf die Raffgier der russischen Händler zurück - und auf die lockere Geldbörse der Russen.

„Die Warenpreise sind in Russland wegen unserer Handelskultur so hoch. Unsere Kunden sind leider an diese Preise gewöhnt. Das erlaubt den Verkäufern und Zwischenhändlern, die Preisspanne hochzufahren, die manchmal im Bereich von mehreren hundert Prozent liegt. Man kann das Gier nennen, oder aber auch eine gute Rechnung: Wenn die Leute bereit sind zu zahlen, warum denn nicht?", sagte Belousow im Interview mit der Zeitung „Moskowski Komsomolez".

Der Chef des russischen Ministeriums für Wirtschaftsentwicklung machte dabei ein „interessantes psychologisches Phänomen" aus, was das Verhältnis zum Geld der Russen, „bzw. der gehobenen Mittelschicht" betrifft:„Die echt reichen Leute kaufen keine Waren in Russland, sondern im Ausland – und nicht nur weil sie dort billiger und von höherer Qualität sind. Hier muss man auch damit rechnen, ‚elegant ' über den Tisch gezogen zu werden. Im Ausland kann man auch betrogen werden, aber dort hält man in der Regel seinen Ruf um einiges höher als momentan noch bei uns", führte Belousow aus.

Dem Minister zufolge ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis die Preisunterschiede zu den Läden im Ausland der Vergangenheit angehören. Russland öffne sich der ausländischen Geschäftswelt und die Gerüchte, dass man in Russland ohne besonderes Risiko verdienen könne, machen bereits die Runde, fügte Belousow an. „Wenn also nichts wirklich Schlimmes passiert, werden in fünf Jahren die Preise in unseren Läden etwa so aussehen wie in Prag und Berlin."

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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