Umfrage: Immer mehr Russen sind Putins müde

Immer mehr Russen sind müde von Wladimir Putin: Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Lewada-Zentrum. Lediglich 22 Prozent wollen, dass Putin bis 2024 an der Macht bleibt. Unmittelbar nach seinem Wahlsieg vor einem Jahr lag diese Zahl bei 17 Prozent. 55 Prozent der Befragten wünschen sich einen neuen Präsidenten. Nur acht Prozent ersehnen eine Rückkehr von Premier Dmitri Medwedjew in den Kreml.

Die russische Gesellschaft sehne sich nach einer neuen Führungsspitze, sagte der Vizeleiter des Lewada-Zentrums, Alexej Graschdankin. Das müsse nicht unbedingt jemand aus einem anderen

politischen Lager sein. Die Russen wollen einfach neue Gesichter in der Führung des Landes sehen. Putins Politik werde zwar immer noch von den meisten Russen befürwortet, aber die Gesellschaft habe allmählich genug vom Kreml-Chef. Selbst unter denjenigen, die 2012 für Putin gestimmt haben, würden nur 36 Prozent ihn noch elf Jahre als Staatschef haben wollen, so der Soziologe.

Mit 49 Prozent habe die Zahl der Russen, die die gesamte Machtkonzentration in den Händen Putins als positiv für Russland betrachten, ihren historischen Tiefstand erreicht, sagte Graschdankin weiter. Vor einem Jahr habe sie bei 53 Prozent gelegen. Der Abwärtstrend lasse sich bereits seit 2007 beobachten. Dafür gebe es keine konkreten Gründe: Die Russen hätten einfach genug von Putins Regierungsstil. In demokratischen Ländern werde dieser Überdruss durch Wahlen aufgelöst, sobald andere Parteien an die Macht kommen. In Russland passiere das jedoch nicht, und der Überdruss werde größer, so der Experte.

Die Fragen seien bei der Umfrage so formuliert worden, dass die Ergebnisse nicht eindeutig bewertet werden können, so Alexander Poschalow vom Institut für sozialwirtschaftliche und politische Forschungen. Dass 47 Prozent der Russen in sechs Jahren Putin nicht mehr als Präsident sehen wollen, zeuge von einem allgemeinen Trend zur Erneuerung der Machtspitze, wobei nahezu ein Drittel der Russen an der bisherigen festhalten würde.

Die Umfrageergebnisse seien nicht überraschend, findet Igor Bunin vom Zentrum für politische Technologien. Tatsächlich dürfe Putin mit höchstens 25 Prozent der Stimmen rechnen. Alle anderen würden für ihn stimmen, weil es keine Alternative gebe. Außerdem haben die Bürger Russlands Angst vor einem Chaos. Sehr negativ für Putins Image seien auch die zahlreichen Fehler seines Umfeldes, ergänzte der Experte.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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