US-Sicherheitskräfte: vor Boston-Anschlag keine Indizien für Zarnajews Festnahme

Die US-Sicherheitskräfte haben vor dem Doppelanschlag auf den Boston-Marathon keine Indizien für die Festnahme des mutmaßlichen Täters Tamerlan Zarnajew gehabt. Das sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, am Montag auf einer Pressekonferenz in Washington. Zugleich bestätigte er, dass die zuständigen US-Behörden von ihren ausländischen Kollegen mit Angaben zu Zarnajew versorgt worden waren. "Aber damals konnten seine (Zarnajews) Kontakte zu Terrornetzwerken nicht nachgewiesen werden", sagte Carney

Zuvor hatte die "Washington Post" berichtet, russische Geheimdienste hätten die US-Bundespolizei FBI vor etwa zwei Jahren gewarnt, dass sich Zarnajew zum radikalen Islam bekennt. "Informationen ausländischer Behörden müssen aber nicht unbedingt eine Verhaftung zur Folge haben", sagte Carney. "Die Kooperation zwischen Washington und Moskau bei der Bekämpfung des Terrorismus ist für beide Seiten vom Vorteil. Diese nützliche Zusammenarbeit mit Russland im Kampf gegen den Terror wird fortgesetzt", sagte der Sprecher.

Tamerlan Zarnajew starb am vergangenen Freitag in einem Krankenhaus, nachdem er bei einer versuchten Festnahme von der Polizei schwer verletzt worden war. Sein jüngerer Bruder Dschochar konnte zuerst entkommen, wurde aber am 20. April in Watertown bei Boston gefasst, ebenfalls mit schweren Verletzungen. Er wird derzeit in einem Krankenhaus behandelt.

Eine erste gerichtliche Verhandlung im Fall Dschochar Zarnajew ist für den 30. Mai geplant, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das US-Justizministerium meldete. Bereits am Montag war gegen Zarnajew junior offiziell eine Anklage "wegen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen" erhoben worden. Dem Verdächtigen droht eine lebenslängliche Freiheits- oder sogar die Todesstrafe, sollte seine Schuld bewiesen werden.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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