Moskauer Zeitung „Sowjetski Sport“: Deutsche Dominanz im Weltfußball perfekt

Die totale Dominanz Spaniens im Weltfußball scheint bald ein Ende zu haben, schreibt die Zeitung „Sowjetski Sport" am Freitag.

Der jüngste Beweis dafür waren die beiden Hinspiele im Halbfinale der Champions League, wobei der FC Bayern München und Borussia Dortmund jeweils den FC Barcelona (4:0) und Real Madrid (4:1) vom Spielfeld gefegt haben.

Die Zeitung hat die Entwicklung des deutschen Fußballs seit den frühen 2000er-Jahren analysiert, um den Aufschwung dieser Sportart in der Bundesrepublik zu erklären.

Zur Europameisterschaft 2000 hatte Deutschland das nahezu älteste Nationalteam aller Zeiten geschickt, wobei das Durchschnittsalter der Spieler bei fast 29 Jahren lag. Nur zwei von insgesamt 22 Spielern im Aufgebot (Michael Ballack und Sebastian Deisler) waren jünger als 25.

Bei der Euro-2000 scheiterten die Deutschen, weil sie in der Gruppenphase nur einen Punkt gewannen und auf dem letzten Platz in ihrer Gruppe landeten.

Der deutsche Fußball-Bund (DFB) musste dringend handeln. Er stellte fest, dass es höchste Zeit war, auf die Dienste der Veteranen zu verzichten und auf die Jugend zu setzen. DFB-Mitarbeiter stellten fest, dass die stärksten Vereine wie FC Bayern oder Borussia Dortmund die besten Fußballschulen haben. Ihr Potenzial allein genügte aber nicht, um den Fußball im ganzen Land wiederzubeleben. Deshalb wurde beschlossen, ein ganzes Netzwerk von Fußballschulen einzurichten. In nur zwei Jahren wurden 390 dieser Schulen gebildet. Jede von ihnen bedient 70 naheliegende Vereine. Auf diese Weise wurden sogar relativ schwache Klubs mit begabten jungen Spielern versorgt.

Ein solcher Fortschritt wurde teilweise dank der erfolgreichen Weltmeisterschaft 2002 möglich, bei der die deutsche Nationalmannschaft das Finale erreicht hatte. Das hatte seine Folgen: Nach der WM begannen gleich 22 000 Kinder ihre Ausbildung als Fußballer. Dieses System kostet den DFB etwa zehn Millionen Euro jährlich. Das meiste Geld stellen allerdings Sponsoren bereit.

Wichtig für den Fortschritt der jungen deutschen Spieler war auch, dass die Zahl der Ausländer in der Bundesliga seit den frühen 2000er-Jahren von 44 auf 38 Prozent gesunken ist. Zum Vergleich: In der englischen Premier League kommen 60 Prozent der Fußballer aus dem Ausland. Dabei konnte die englische Nationalmannschaft seit vielen Jahren keine großen Erfolge feiern.

Nicht zu übersehen ist der Nutzen von der in den mittleren 2000ern eingeführten Regel, dass alle Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga über eigene Akademien verfügen und mindestens acht Spieler aus der eigenen Jugend im Aufgebot haben müssen.

Der Unterhalt der Akademien kostet die Klubs insgesamt 80 Millionen Euro jährlich. Das führte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, 2010 an. Das ist aber nicht allzu viel, wenn man bedenkt, dass die Einnahmen aller Bundesligisten zwei Milliarden Euro pro Jahr übersteigen.

Und schließlich muss die wichtigste Regel im deutschen Fußball erwähnt werden. 50 Prozent plus eine Aktie jedes Vereins müssen in den Händen der eigenen Fans bleiben. Es gibt nur drei Vereine (Bayer 04 Leverkusen, VfL Wolfsburg und TSG 1899 Hoffenheim), für die eine Ausnahme gemacht wurde. Damit können im Unterschied zum britischen Fußball keine reichen ausländischen Investoren wie der Russe Roman Abramowitsch (FC Chelsea) oder die arabischen Scheichs (FC Manchester City) kommen und einen deutschen Klub kaufen.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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