Russland: VW-Beschäftigte drohen mit Arbeitskampf

Ein Gericht in Kaluga (190 km südwestlich von Moskau) will am 22. Mai  über die Rechtmäßigkeit des angekündigten Streiks im russischen Volkswagen-Werk entscheiden. Zuvor wurde der Gewerkschaftsvorsitzende des Werks, Dmitri Trudowoi, von den Justizbehörden befragt. Polizei und

Werksleitung verdächtigen ihn, Beschäftigte angestiftet zu haben, aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen Fahrzeuge zu beschädigen.

Der Konflikt zwischen der Belegschaft und der Werksleitung nahm seinen Anfang, als vom 12. bis 17. April wegen der Umstellung der Produktion auf das neue Modell Skoda Rapid die Bänder stillstanden und die VW-Geschäftsführung anordnete, die arbeitsfreien Tage im Sommer wieder einzuarbeiten. Die Gewerkschaft sieht die Arbeitnehmerrechte verletzt. Wegen der ständigen Verschiebung der Schichten müssten die Arbeiter fast den ganzen Sommer ohne freie Tage arbeiten.

Kurz vor den Feiertagen Anfang Mai hatte die Gewerkschaft mit dem VW-Personalchef in Kaluga, Jürgen Haase, verhandelt. Der deutsche Autobauer wies die Forderungen der Arbeiter zurück. Anschließend drohte die Gewerkschaft mit einem Streik und forderte eine 35-Stunden-Woche zu den bisherigen Löhnen.

Am 12. Mai wollten 1800 VW-Arbeiter in den Streik gehen, doch der wurde verschoben. Die einflussreiche Gewerkschaft mit 700 Mitgliedern von den 5400 VW-Beschäftigten hatte bereits

mehrmals Lohnerhöhungen aushandeln können.

Anfang Mai reichte die VW-Werksleitung eine Gerichtsklage ein. Während heute über die Gesetzlichkeit des Streiks entschieden werden soll, kämpfen die Arbeiter weiter um ihre Rechte. Die Arbeiter beklagen sich über überhöhte Temperaturen und schlechte Belüftung in den Werkshallen. Die Beschäftigten rieten Kunden vor VW-Autohäusern vor dem Kauf von Fahrzeugen des deutschen Autoherstellers ab, weil sie wegen der schlechten Arbeitsbedingungen keine gute Qualität garantieren können. Die Werksleitung dementierte zwar diese Informationen, doch bereits einen Tag nach dem Konfliktausbruch wurden zwölf defekte Autos gefunden. Den Arbeitern wird vorgeworfen, die Fahrzeuge absichtlich zu beschädigen. Mit diesem Fall werden sich die Verwaltung zum Kampf gegen Wirtschaftsverbrechen und das Zentrum zum Kampf gegen Extremismus befassen.

Wie Gewerkschafter Trudowoi mitteilte, wird der Streik unabhängig vom Gerichtsbeschluss Ende Mai bzw. Anfang Juni stattfinden. Der Gerichtsbeschluss habe keinen Einfluss auf die gesetzlich berechtigten Forderungen der Arbeiter, so Trudowoi.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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