Größter Spionageprozess seit Ende des Kalten Krieges: Bundesanwaltschaft nennt echte Namen russischer Spione

Die Bundesanwaltschaft hat die echten Namen der beiden Angeklagten genannt, denen die deutsche Justiz Spionageaktivitäten zugunsten Russlands zur Last legt.

Die Angeklagten Andreas und Heidrun Anschlag hätten in Wirklichkeit Alexander und Olga geheißen und die Rufnamen Pit und Tina gehabt. Die Nachnahmen seien der Ermittlung nicht bekannt, hieß es am vergangenen Dienstag in Stuttgart im Plädoyer der Anklage.

Die Bundesanwaltschaft ist davon überzeugt, dass die Namen Andreas und Heidrun Anschlag wie auch deren Mädchenname Freud ein Teil ihrer Legende sind. In Deutschland lebte das Paar mit gefälschten österreichischen Pässen. Nach der Festnahme im Oktober 2011 teilte Andreas mit, dass er im Alter von sechs Jahren nach Mexiko gebracht worden war und dort bis Ende 1980er Jahre gelebt hatte. Das stimme aber nicht, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Siegmund in seinem rund vier Stunden langen Plädoyer. Das hätten die mexikanischen Behörden bestätigt. Bis 1984 sei er (Andreas) in einer KGB-Schule ausgebildet worden.

Die Echtheit der Namen Alexander und Olga ist aber nicht 100-prozentig sicher. Auf der Rückseite eines sichergestellten Fotos, das Mitte der 1990er Jahre dem Ehepaar von den Freunden geschenkt wurde, steht die Aufschrift "Für Olja und Sascha" (Verkleinerungsform der Namen Olga und Alexander).

Dem mutmaßlichen russischen Agenten-Ehepaar drohen mehrere Jahre Haft. Die Bundesanwaltschaft forderte am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Stuttgart siebeneinhalb Jahre für den Hauptangeklagten und viereinhalb Jahre für seine Frau. "Es gilt klarzustellen, dass der deutsche Staat eine Souveränitätskränkung solchen Ausmaßes in hohem Maße missbilligt", wurde Siegmund von der Deutschen Presse-Agentur zitiert. Der Geheimnisverrat wiege schwer.

Die Verteidigung wird ihre Schlussrede am 25. Juni halten. Das Urteil wird voraussichtlich am 2. Juli gefällt. Der Spionageprozess zählt zu den größten seit Ende des Kalten Krieges.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland