Anwalt: Snowden ist bereit, die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen

Der NSA-Enthüller Edward Snowden, der sich auf einem Moskauer Flughafen vor der US-Justiz versteckt und Russland um Asyl ersucht hat, bangt laut Anwalt Anatoli Kutscherena um seine Sicherheit und kann sich vorstellen, die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen.

„Er macht sich Sorgen darum, was ihm passiert, wenn Russland ihm vorübergehendes Asyl verweigert", sagte Kutscherena, der Snowden Rechtshilfe erweist, am Mittwoch. Der Whistleblower, der sich noch immer im Kapselhotel des Moskauer Flughafens Scheremetjewo befinde, fühle sich nicht in voller Sicherheit. „Er schließt jetzt nichts mehr aus. Auch nicht die Option, die russische Staatsbürgerschaft zu beantragen."

Der Anwalt vertrat die Meinung, dass Snowdens Asylantrag in Russland entsprochen werde. Aber selbst wenn sein Asylantrag abgelehnt werden sollte, würde Snowden kaum eine Abschiebung drohen. Er würde weiter im Transitbereich bleiben können.

Laut Kutscherena hat Snowden nicht vor, Russland in absehbarer Zeit zu verlassen. Der

Whistleblower habe sich für vorübergehendes Asyl entscheiden, weil das einfacher als Erlangen von politischem Asyl sei. Der Anwalt teilte ferner mit, dass Snowden keine staatlichen Leibwächter bekommen würde, wenn seinem Antrag entsprochen werden sollte. „Das Gesetz sieht für Flüchtlinge keine Bewachung vor."

Nachdem der ehemalige CIA-Mitarbeiter Snowden Anfang Juni Details zu geheimen Spähprogrammen der US-Geheimdienste preisgegeben hat, fahnden die USA nach ihm wegen Geheimnisverrats. Der Enthüller versteckte sich zunächst in Hongkong und kam am 23. Juni nach Moskau. Seitdem sitzt der 30-Jährige im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo fest, weil die USA seinen Pass annulliert haben.

Am Freitag kündigte er bei einem Treffen mit Bürgerrechtlern an, Russland vorübergehend um Asyl ersuchen zu wollen. Am Dienstag wurde bekannt, dass Snowden einen offiziellen Antrag gestellt hat. Davor hatte der russische Präsident Wladimir Putin gesagt, Snowden dürfe in Russland bleiben, wenn er damit aufhöre, den USA zu schaden.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland