Hungerstreik der Pussy-Riot-Aktivistin Tolokonnikowa: Strafvollzugsbehörde spricht von Erpressung

Der Hungerstreik der inhaftierten Pussy-Riot-Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa  ist laut der russischen Strafvollzugsbehörde auf die Weigerung der Leitung der Strafanstalt zurückzuführen, ihr Vorzugsbedingungen einzuräumen. Dies teilte der Pressedienst der Strafvollzugsbehörde der Teilrepublik Mordowinien am Montag RIA Novosti mit.

Laut dem Pressedienst hatten Tolokonnikowas Gatte Pjotr Wersilow und ihre Anwältin Irina Chrunowa am 17. September den Stellvertretenden Leiter der Strafanstalt beim Verlassen des Strafanstaltsgeländes angehalten und ihn gebeten, die Inhaftierte in eine andere Arbeitsabteilung zu

versetzen oder ihr eine Arbeitsstelle in der Kunstwerkstatt der Anstalt zu sichern. Ansonsten werde er wegen einer Morddrohung gegen Tolokonnikowa verklagt. Sie haben ihm die bereits fertigen Beschwerden an das russische Ermittlungskomitee, an die Staatsanwaltschaft und die föderale Strafvollzugsbehörde gezeigt, hieß es.

Montagvormittag habe Tolokonnikowa gefrühstückt und danach den Beginn ihres Hungerstreiks bekannt gegeben, so der Pressedienst.

Tolokonnikowa habe einen Antrag bei Russlands Ermittlungskomitee mit der Bitte eingereicht, wegen einer Morddrohung ein Strafverfahren gegen Juri Kuprijanow, den Stellvertretenden Leiter der Strafanstalt, einzuleiten und für ihre Sicherheit zu sorgen, teilte ihre Anwältin Chrunowa am Montag RIA Novosti mit. Tolokonnikowa behaupte, auch von Häftlingen Drohungen bekommen zu haben.

Wie die russische Onlinezeitschrift Lenta.ru aus einer Erklärung von Tolokonnikowa zitiert, soll Kuprijanow Tolokonnikowa gesagt haben: „Dir wird es sicher nie wieder schlecht gehen, denn im Jenseits kann es überhaupt nicht schlecht gehen.“ Seit dem Tag sei sie auch von Häftlingen bedroht worden, die behauptet haben sollen, „eine Anweisung der Administration erhalten zu haben, mit ihr abzurechnen“.

Außerdem sei der Hungerstreik auf zahlreiche Verstöße in der Strafkolonie zurückzuführen, so Lenta.ru. Ihr zufolge dauert der Arbeitstag der Näherinnen bis zu 17 Stunden, während die Arbeitsnormen ständig erhöht werden, und zwar von den früheren 100 auf 150 Polizistenuniformen pro Tag. Die Erhöhung der Arbeitsnormen sei in Verletzung des Arbeitsrechts nicht im Voraus bekannt gegeben worden. Bei Nichterfüllung der Arbeitsnormen sollen die Häftlinge bestraft werden, so Tolokonnikowa.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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