Krawalle am Stadtrand von Moskau nach brutalem Mord an einem jungen Mann

Eine Bürgerversammlung mit ein paar Dutzend Teilnehmern mündete am Sonntag im Süden von Moskau in nationalistisch motivierte Unruhen.

Der Anlass für die Ereignisse war ein Verbrechen gewesen, das in der Nacht auf den 10. Oktober verübt worden war: Ein junger Moskauer war auf offener Straße vor den Augen seiner Freundin niedergestochen worden, als er gegen einen Mann auftrat, der die Frau belästigen wollte. Auf Überwachungskamera-Bildern ist zu erkennen, dass der Angreifer offenbar aus dem Kaukasus oder Zentralasien stammt. Der Täter floh nach der tödlichen Attacke.

Am Samstagabend hatten sich rund 40 Bewohner der Gegend am Ort des Verbrechens versammelt und forderten die restlose Aufklärung des Falles, aber auch die Schließung eines Gemüsegroßmarktes in der Region (dem Arbeitsplatz von zahlreichen Migranten aus den möglichen Herkunftsländern des Mordverdächtigen, Red.) und eine Verschärfung der Migrationsgesetze. Um 22:30 löste sich die Versammlung auf. Für den nächsten Tag 16:00 Ortszeit wurde ein nächstes Treffen einberufen.

Bei der „Volksversammlung" am Sonntagnachmittag kam es zur Eskalation: Aufgebrachte Teilnehmer schlugen die Scheiben eines Einkaufszentrums ein und versuchten, das Gebäude zu besetzen. Aus dem Einkaufszentrum stiegen Rauchschwaden, das Gebäude wurde evakuiert, berichtete ein RIA-Novosti-Korrespondent vor Ort. Die Spezialeinheit OMON musste anrücken.

„Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine Reihe von Rowdytum-Verdächtigen festgenommen", sagte ein Vertreter des Pressediensts der Moskauer Innenbehörden RIA Novosti. Wie das Amt in den frühen Abendstunden bekanntgab, wurden sieben Menschen verhaftet. Die Anklage lautet auf Rowdytum. Der Polizeiautobus, in dem die Verhafteten sich befanden, war von den Massen eingekreist worden, die die Freilassung der Teilnehmer forderten. Einige Bürger warfen Flaschen und Mülleimer auf die Mitarbeiter der Spezialeinheit OMON, so der Gesprächspartner der Agentur.

Laut Polizeiangaben hatte sich die Teilnehmerzahl an der „Volksversammlung" gegen Abend auf 300 bis 350 Menschen gesteigert. Augenzeugen sprechen von bis zu 1000 Teilnehmern. „Vor Ort sind 200 Polizeibeamte im Einsatz", so ein Sprecher der Sicherheitskräfte.

Gegen 20 Uhr Ortszeit sind in der Nähe des Gemüsemarkts Festnahmen im Gange, berichtet der

Fernsehkanal RainTV. „Man hört Rufe: ,Sie prügeln Russen!', der OMON setzt Schlagstöcke ein", zitiert der Sender auf Twitter den Journalisten Timur Olewski.

Ein hochrangiger Polizeibeamter hatte sich am Sonntag um 14 Uhr mit Aktivisten aus der Zivilgesellschaft getroffen, um den „Dialog mit den regionalen Aktivisten vom Vortag fortzusetzen". Bei dem Treffen sei die Bildung von Bürgerwehren besprochen worden, die die Straßen patrouillieren sollen, so ein Pressemitarbeiter der Moskauer Polizei zu RIA Novosti.

Die Behörden betonen indes, dass alles daran gesetzt werde, den Täter dingfest zu machen. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin kündigte eine gründliche Untersuchung des Mordes an. Die Schuldigen an den Unruhen erwarte ihre gesetzliche Strafe, teilte seine Pressesprecherin mit.

Der Moskauer Polizeichef Anatolij Jakunin gab bekannt, dass eine Million Rubel (über 23 000 Euro) auf den flüchtigen Mörder ausgesetzt sind.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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