Helmut Schmidt bei Treffen mit Putin: Seit Churchill und de Gaulle kaum noch Politiker ihres Kalibers in Europa

Der russische Präsident Wladimir Putin hat Altbundeskanzler Helmut Schmidt in seiner Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau empfangen, schreibt die „Rossijskaja Gaseta" am Donnerstag.

Putin und Schmidt sprachen über die russisch-deutschen Beziehungen und die Situation in Europa. Laut dem 94-jährigen Helmut Schmidt ist es seine letzte Reise nach Russland.

Putins Gast kritisierte die Politik der EU-Spitze. Seit Winston Churchill und Charles de Gaulle gebe es kaum noch Politiker ihres Kalibers in Europa, so Schmidt.

Putin wollte die Situation jedoch nicht so kritisch einschätzen. „Die Situation in der Weltwirtschaft ist kompliziert. Bei den großen sozialen Belastungen der europäischen Länder ist es schwer, die Aufgaben zu lösen, vor denen Europa steht", sagte Putin. Positiv sei, dass die aktuellen globalen Probleme Russland und Europa zur Kooperation bewegen, so Putin.

Man könne sich darüber nur wundern – weder die Russen noch die Deutschen würden sich nach dem Zweiten Weltkrieg hassen, sagte Schmidt. Er selbst sei damals Soldat gewesen und habe sich nicht erträumen können, dass die gegenseitigen Beziehungen so ein gutes Niveau erreichen. Zudem seien nicht alle Deutschen damals Faschisten gewesen. Die Mehrheit sei durch Propaganda in die Irre geführt worden.

Für ihn sei es sehr wichtig gewesen, hierher zu kommen, um sich richtig von den Nachbarn zu verabschieden, sagte Schmidt. Russland und Deutschland, so der Altkanzler, werden immer Nachbarn bleiben – in guten und schlechten Zeiten.

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti.

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