Noch ein russischer Journalist in der Ukraine getötet

Der Kameramann des russischen "Ersten Kanals" Anatolij Kljan war 68 Jahre alt. Foto: ITAR-TASS

Ukrainische Soldaten beschossen einen Bus mit russischen Journalisten und Soldatenmüttern, der in Richtung einer Militärbasis im Süd-Osten des Landes fuhr, meldet die Agentur RIA-Novosti. Infolge des Angriffs wurde der Journalist des russischen „Ersten Kanals“ Anatolij Kljan tödlich verwundet.

Wie ein Kollege des getöteten Korrespondenten erzählte, fuhren die Journalisten zusammen mit Müttern von Wehrdienstpflichtigen, die eine Rückkehr ihrer Söhne nach Hause anstrebten, zu einer der Militärbasen der ukrainischen Armee. Als der Bus sich der Basis näherte, hörte man Warnschüsse, woraufhin der Fahrer beschloss, in einer Entfernung von 500 Metern von der Basis anzuhalten. „Alle sind aus dem Bus ausgestiegen, die Atmosphäre war ruhig. Schon nach einer Minute sah man eine Leuchtrakete in der Luft. Alle sind zurück in den Bus gerannt, und dann hat das Feuer begonnen. Man hat gezielt auf den Bus geschossen“, zitiert die Agentur LifeNews die Worte von Jewgenij Ljamin, des Kollegen des getöteten Korrespondenten.

Der Journalist schaffte den Sprung in den abfahrenden Bus und drückte sich an den Platz des Fahrers. Der Fahrer fuhr den Bus auch nach einer Schusswunde, bis er das Bewusstsein verlor. Nachdem der Bus anhielt, bemerkte Ljamin, dass es im Bus einen weiteren Verletzten gab. Das war sein Kollege Anatolij Kljan, der eine schwere Verletzung in den Bauch einfuhr. „Wir hatten ein vorbeifahrendes Auto angehalten und ihn dorthin gesetzt. Die letzten Worte, die er sprach, als er hinausgetragen wurde, waren „Kamera, Kamera...“. Er wollte sagen, dass im Bus seine Kamera mit den geschossenen Materialien zurückgeblieben ist. Die Notärzte sagten, dass sie alles getan hatten, was sie konnten. Anatolij konnte nicht gerettet werden“, erzählte der Journalist.

Wie das Oberhaupt der selbsternannten „Donezkrepublik“ Alexandr Borodaj bemerkte, war die Fahrt zur Militärbasis durch eine gewisse Initiativgruppe ohne eine Abstimmung mit der Leitung des Süd-Ostens organisiert worden. Seinen Worten zufolge war die Entsendung einer Gruppe von Korrespondenten und Frauen ohne einen entsprechenden Schutz, eine verbrecherische Fahrlässigkeit. 

Der Tod des russischen Korrespondenten ist nicht der erste Fall, in dem die Beleuchtung des Bürgerkriegs in der Ukraine zum Tod der Journalisten führte. Am 25. Mai starben Andi Rockelli, ein 30-jähriger Photograph aus Italien und sein Dolmetscher Andrej Mironow während eines Minenbeschusses im Süden von Slawjansk. Der französische Fotokorrespondent Wiljam Rogelon erlitt Splitterverletzungen. 

Zwei Korrespondenten des Fernsehsenders „Rossija-24“ starben während eines Minenbeschusses in Luhansk Anfang letzter Woche.

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