Gorbatschow trauert um politischen Weggefährten Schewardnadse

Der Ex-Präsident der UdSSR Michail Gorbatschow (links) und von 1995 bis 2003 Präsident Georgiens Eduard Schewardnadse. Foto: RIA Novosti

Im Alter von 86 Jahren verstarb am Montag in Georgiens Hauptstadt Tbilisi Eduard Schewardnadse, der ehemalige sowjetische Außenminister und frühere Präsident Georgiens, nach langer Krankheit. Schewardnadse gilt als einer der Wegbereiter der deutschen Wiedervereinigung. Unter Michail Gorbatschow wurde er der letzte Außenminister der Sowjetunion.

Gorbatschow äußerte sich tief bewegt zum Tode des politischen Weggefährten, mit dem er keineswegs immer einer Meinung war: „Er war mein Freund und Kamerad. Manchmal hatten wir hitzige Diskussionen, doch wir waren bis zum Schluss Freunde“, erklärte er.

Gorbatschow würdigte besonders Schewardnadses Rolle in der Perestroika-Ära. Er habe entschieden zu einer neuen Außenpolitik der Sowjetunion beigetragen. Schewardnadse sei maßgeblich an der Vorbereitung der ersten Abrüstungsankündigung vom 15. Dezember 1986 beteiligt gewesen. „Er hat den Dialog mit China und Amerika wieder aufgenommen“, erinnert sich Gorbatschow. Schewardnadse sei „ein großer Politiker und eine außergewöhnliche Persönlichkeit“ gewesen.

Seine Verdienste um die deutsche Wiedervereinigung seien unbestritten. Schewardnadse war als Außenminister der sowjetische Vertreter bei den Zwei-Plus-Vier-Gesprächen zur deutschen Wiedervereinigung, an der die beiden deutschen Staaten sowie die UdSSR, die USA, Frankreich und Großbritannien beteiligt waren. 

Gorbatschow betonte, dass er sich der Unterstützung Schewardnadses auch innenpolitisch stets hätte sicher sein können. Es sei damals schwierig gewesen, Reformen umzusetzen, eine Demokratisierung voranzutreiben, Bürgern und Wirtschaft mehr Einflussnahme zu ermöglichen, so Gorbatschow. Doch auf Schewardnadse sei Verlass gewesen: „Er unterstützte mich als einer der ersten auf meinem Weg von Glasnost und Perestroika“.

Gorbatschow schätzte den Georgier Schewardnadse nicht nur als Politiker, sondern auch als Freund: „Er war ein ehrlicher, rechtschaffener Mensch und ein treuer Freund. Es ist schade, dass solche Menschen von uns gehen“, sagte er. Schewardnadse werde jedoch nicht in Vergessenheit geraten und seinen Platz in den Geschichtsbücher bekommen. „Alle, die Geschichte studieren wollen, sollten ihn kennen und sich an ihn erinnern“, forderte Gorbatschow. In Gedanken sei er bei Schewardnadses Familie: „Mein tiefstes Beileid gilt allen seinen Angehörigen.“  

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei ITAR-TASS

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