Russland und Iran vertiefen Wirtschaftskooperation

Der russische Energieminister Alexander Nowak (L) und der iranischer Ölminister Bijan Zanganeh während des Treffens in Teheran am 9. September 2014. Foto: AP

Moskau und Teheran planen eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit. Im Energiesektor soll sich diese insbesondere auf den Bau von Kraftwerken konzentrieren. Zudem sollen russische Unternehmen im Bereich der Erdöl- und Erdgasförderung im Iran aktiv werden. Auch sind gemeinsame Produktionsprojekte und eine Intensivierung des Warenaustauschs vorgesehen, insbesondere für landwirtschaftliche Produkten und Lebensmittel. Das Warenhandelsvolumen beider Staaten liegt derzeit bei etwa rund 1,16 Milliarden Euro, könnte innerhalb der nächsten beiden Jahre aber um das Zehnfache ansteigen. Zahlungsmittel im Wirtschaftsverkehr könnte zukünftig der Rubel werden.

Anfang der Woche wurde in Teheran bei einer Sitzung der intergouvernementalen Kommission der Russischen Föderation und des Irans eine mögliche Zusammenarbeit diskutiert. Das Treffen fand im Rahmen des Russisch-Iranischen Wirtschaftsforums statt.

Der russische Energieminister Alexander Nowak sieht insbesondere in den Bereichen Energie, Metallverarbeitung, Transport und Kommunikation gute Perspektiven für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. „Der iranische Markt ist für die großen russischen Energieunternehmen sehr attraktiv,

vor allem im Hinblick auf Förderung, Transport und Weiterverarbeitung", erklärte er am Rande des Wirtschaftsforums. Dabei setzt der Minister auf vor allem auf innovative Entwicklungen. Seinen Worten nach, könnten sich auch die großen russischen Automobilhersteller AvtoVAZ, GAZ-Gruppe und KamAZ eine Zusammenarbeit mit den iranischen Unternehmen vorstellen.

Der Iran biete Russland einen Technologietransfer an, zum Beispiel beim Bau von Staudämmen oder Fabrikanlagen, sagte Mohsen Jalalpour, Vizepräsident der Iranischen Industrie- und Handelskammer. Auch könnten für Russland landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel aus dem Iran zukünftig interessant werden. Um den Ausfall europäischer Lebensmittellieferungen zu kompensieren, könnten zum Beispiel Obst, Gemüse und Teigwaren aus dem Iran importiert werden.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energiegewinnung. Das Unternehmen Technopromexport, das zu Rostech gehört, vereinbarte mit seinen iranischen Partnern den Bau von zehn Blöcken für Wärmekraftwerke mit einer Gesamtleistung von fast drei Gigawatt sowie die Modernisierung bestehender Anlagen. Das Projektvolumen liegt bei rund 10 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 7,7 Milliarden Euro). Zudem ist die gemeinsame Erschließung einer Kohle-Fundstätte im Gespräch. „Der Iran braucht große Mengen an Strom, und Russland ist einer der weltweit größten Stromerzeuger", sagte Wladimir Saschin, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Ostkunde an der Russischen Akademie der Wissenschaften gegenüber „Gazeta.ru". Außerdem habe Russland bereits zu Sowjetzeiten Erfahrung beim Bau von Kraftwerken im Iran sammeln können, erklärte er.

 Nach Angaben der Zeitung „Kommersant" hat auch das Unternehmen Strojgasneft, das auf den Pipelinebau spezialisiert ist, ihr Interesse an einer Beteiligung an Infrastrukturprojekten im Iran signalisiert. Zuvor hatte die russische Eisenbahngesellschaft RZD bereits ein Abkommen zur Elektrifizierung der iranischen Eisenbahn geschlossen. Insgesamt sechs Infrastrukturprojekte dieser Größenordnung sind bisher geplant. Im November soll ein weiteres Abkommen dazu kommen.

Im Bereich der Erdöl- und Erdgaserschließung liegen Gazprom und Lukoil ebenfalls Angebote vor, über die jedoch noch nicht entschieden wurde. Bisher können ausländische Unternehmen im Iran bei Förderprojekten nicht als Aktionäre auftreten. Der Iran ist aber bereit, die entsprechenden Gesetze anzupassen. Das Land ist außerdem auf der Suche nach russischen Investoren für die Realisierung von Projekten zur Gasverflüssigung.

Eine der am meisten diskutierten Fragen während des Russisch-Iranischen Wirtschaftsforums bezog sich auf die Zahlungsmodalitäten. Alexander Nowak hielt fest, dass eine Untersuchung von

Möglichkeiten zur Zahlung in Rubeln und iranischen Rial fortgesetzt werde. „Wir haben abgemacht, dass das Handelsvolumen zwischen unseren Ländern auf der Basis der lokalen Währungen organisiert wird", sagte der iranische Ölminister Bijan Zanganeh.

Was die Öllieferungen des Irans nach Russland angeht, wurden keine konkreten Vereinbarungen getroffen. Alexander Nowak hatte im Fernsehsender „Rossija 24" jedoch erklärt, dass gegenwärtig keine Gespräche dazu geführt würden. Im August hatten beide Länder eine Absichtserklärung zu diesem Punkt unterzeichnet. Der Iran habe Russland angeboten, Öl in die Russische Föderation zu liefern. Die Medien nannten den Deal „Öl gegen Waren".

In diesem Zusammenhang hatte der Generaldirektor der russischen Vereinigten Getreidegesellschaft erklärt, dass ein Abkommen zum Tausch von Öl gegen Getreide möglich wäre. Getreide ist im Iran Mangelware. Russland hatte sich bereit erklärt, 1,5 bis zwei Millionen Tonnen jährlich in den Iran zu liefern.

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