Russische Bürger verhalten sich schlechter zu der EU

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Das Verhalten russischer Bürger zu Europa verschlechtere sich, beweist eine neue Studie der russischen nicht staatlichen Forschungsorganisation Lewada-Zentr. 68 Prozent der Befragten, die an einer Umfrage Ende September teilnahmen, teilten mit, ihr Verhalten der EU gegenüber sei schlecht oder sehr schlecht. Die im Mai und im Juli durchgeführten Studien verzeichneten, dass 60 Prozent aller Befragten sich schlecht zur EU-Politik verhalten. Das positive Verhalten Europa gegenüber haben 19 Prozent der Befragten gezeigt (gegen 27 Prozent im Juli).

Das Verhalten den USA gegenüber habe sich jedoch nicht verändert und bleibe negativ. 17 Prozent russischer Bürger verhalten sich positiv dem Land gegenüber, wie auch im Mai und im Juli. Ein negatives Verhalten haben 73 Prozent der Befragten. Dafür gibt es aber keine persönlichen Gründe: Zu Amerikanern selbst verhalten sich 42 Prozent positiv und 36 Prozent negativ.

Alexej Grashdankin, stellvertretender Leiter der Lewada-Zentr, erklärte im Interview mit Gazeta.ru, dass das negative Verhalten zu den USA das historisch niedrigste Niveau erreicht habe und unverändert bleibe, wobei das Verhalten der EU gegenüber verschlechtere sich weiter. „Diese Veränderungen fanden in den letzten Monaten statt, wenn russische Bürger verstanden haben, dass Europa sich dem Druck der USA nicht entgegensetzen wird, sondern wird in deren Fahrwasser segeln und keine gemäßigte Einstellung bewahren", erklärt der Soziologe.

Elena Schestopal, Leiterin des Lehrstuhls für politische Psychologie an der Moskauer Staatlichen Universität, ist sich mit Grashdankin nicht einig. Sie glaubt, dass Russland und Europa aufs Engste im

Bereich Kultur verbunden seien und diese Verbindung werde sich mit der Zeit wiederherstellen. „Das Verhalten den USA gegenüber war nie besonders positiv, aber die verschlechterte Meinung von Europa ist was Neues", sagte die Soziologin im Interview mit RBTH.

Jewgenij Mintschenko, Leiter des Internationalen Instituts für politische Expertise, sagte im Interview mit RBTH: Man sei sehr abhängig von den Meinungen, die in den Medien präsentiert werden und die die Situation verschärfen. „Hier entsteht ein interessanter Widerspruch: Einerseits meinen russische Bürger, dass die EU ein unanständiger Nachbar ist, andererseits bleibt das Verhalten Europäern gegenüber positiv". Der Politikwissenschaftler erklärte, dass solche Meinung sich weder auf den Konsum von Waren aus Europa, noch auf das gute Verhalten europäischen Touristen gegenüber auswirken werde. „Russische Bürger unterscheiden für sich politische Beschlüsse und das Verhalten zu einzelnen Menschen, egal ob sie aus Griechenland oder Deutschland kommen. Touristen müssen sich keine Sorgen machen", betonte er.

Es ist wichtig zu betonen, dass im Rahmen der Umfrage von Lewada-Zentr keine Frage über das Verhalten zu Bürgern der EU (nicht zu der EU selbst) gestellt wurde.

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