Antikriegsaktion in der Sankt Petersburger U-Bahn stattgefunden

"Mein Vater war sehr stark und tötete unsere Feinde. Nun schlägt er Mama und mich ein", so die Gedanken einer fiktiven achtjährigen Katja. Foto: wartowar/vk.com.

Am 23. Februar bekamen die Fahrgäste der Sankt Petersburger U-Bahn statt gewohnter Werbespots antimilitärische Poster zu sehen. Aktivisten, die unbenannt bleiben wollen, haben in den Zügen illegal Plakate zweier Art aufgehängt. Auf einigen wurden Zitate von Klassikern über den Krieg, auf anderen die nach Kinderzeichnungen stilisierten Aussagen abgebildet. Insgesamt handele es sich um 26 Plakate, so Petersburger Online-Zeitung "Fontanka.ru".  

Auf den quasi von Kindern geschriebenen und gemalten Postern geht es um den Tod, schwere Behinderungen und verschiedene psychische Krankheiten, die dem Krieg oder Militärdienst zufolge entstehen können. So wurde z.B. auf einem Poster ein Mann abgebildet, der einen Blumentopf auf seine Frau wirft, die ihre Tochter mit eigenem Leib bedeckt. "Mein Vater war sehr stark und tötete unsere Feinde. Nun schlägt er Mama und mich ein", so die Gedanken einer fiktiven achtjährigen Katja. 

2015 wird in Russland der 70. Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg gefeiert. Die Ereignisse im Südosten der Ukraine werden in den staatlichen Medien häufig mit dem Kampf gegen Faschismus in Verbindung gebracht, denn die Aufständischen dort sollten die faschistischen Stimmungen im Westen des Landes bekämpfen. Die U-Bahn Aktion in Sankt Petersburg spielt darauf an.  

"Russland steigert Geldaufwände deutlich zum militärischen Zwecken, was zu Kostendegression im sozialen Bereich führt", sagt einer der Aktivisten.  In Russland werden immer mehr Krankenhäuser und Schulen geschlossen, unter mangelnden Finanzierung leidet auch die russische Bildung, so der Aktivist. "Russland vergisst seine eigenen Bürger, kümmert sich jedoch um irgendwelche externen Feinde und wirbt für den aggressiven und konservativen Patriotismus", so er. 

Von dieser Aktion haben die Angestellten der Petersburger U-Bahn aus sozialen Netzwerken erfahren. Dann haben die Mitarbeiter erst die meisten Züge durchsucht, aber keine Spuren von provozierenden Plakaten gefunden. Wer und wann sie entfernt habe, sei unklar, so die Pressesprecher des Dienstes. 

 

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