Der Intendant des Theaters in Nowosibirsk wurde wegen "Tannhäuser" gefeuert

Am 30. März wurde Boris Mesdritsch, der Intendant des Nowosibirsker Theaters für Oper und Ballett, gekündigt, teilt der russische Kulturminister Wladimir Medinskij mit. Seine Stelle wird der Generaldirektor des Michajlowskij Theaters in Sankt Petersburg Wladimir Kechman übernehmen.  

"Ich freue mich, dass ich nicht nachgegeben und so die Aufführung nicht verraten habe. Leider habe ich es nicht durchzufechten und zu siegen geschafft. Aber ich danke allen, die uns unterstützt haben", sagte der entlassene Intendant im Interview an die Zeitung "Iswestija". Dass er gekündigt wurde, erfuhr Mesdritsch am Sonntag Vormittag, als er den ersten stellvertretenden Kulturminister Wladimir Aristarchow von der Flug aus Moskau am Flughafen abholte. Seinen Worten zufolge habe ihm der Beamte der entsprechende Verordnung fast gleich überreicht. 

Die Erstaufführung der Oper von Wagner in Nowosibirsk fand im Dezember 2014 statt. Der Regisseur der Aufführung hat die Handlung in heutige Tage verlegt.  Laut dem Sujet stellt der Protagonist Heinrich Tannhäuser den Erotik-Film "Die Venusgrotte" dem Publikum dar, in dem es sich um die fleischlichen Gelüste des jungen Christus handelt. Aber der Film gibt viel Lärm. 

Genau das ist mit der Aufführung von Kuljabin passiert. Einen Monat nach der Premiere hat der Vertreter der russischen orthodoxen Kirche die Oper angezeigt, indem er dem Regisseur sowie dem Intendanten des Theaters die Verletzung der religiösen Gefühle vorgeworfen hat. Es wurde ein

administratives Verfahren eingeleitet, das Ende März jedoch gestoppt wurde, da es keine Straftat vorlag. Das Urteil wird derzeit von der Staatsanwaltschaft bestreitet. 

Der neue Intendant des Nowosibirsker Theaters Wladimir Kechman sei noch nicht im Klaren darüber, welches Schicksal die Oper erwartet, so er. Früher, als der Ausschuß des Kulturministeriums über den Tannhäuser-Fall verhandelt hat, sagte er, dass "er als gläubiger, getaufter, orthodoxer Jude dies als Verletzung wahrnimmt". Es sei eine Kundgebung der innerlichen Bosheit im Sinne des Vereins der rebellischen Gottlosen, so er. Er äußerte darüber hinaus die Meinung, dass der Intendant abtreten und die Aufführung aus dem Spielplan streichen sollte. 

Der gekündigte Intendant wurde von anderen führenden Künstlern unterstützt, die das Recht der Künstler auf Schaffensfreiheit durchgesetzt haben. 

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