Bewegende Gedenkfeier in Bergen-Belsen

Am Sonntag, dem 26. April gedachten über 1 000 Menschen auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen der Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers vor 70 Jahren.

Foto: Russische Botschaft

In seiner Begrüßungsrede dankte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) besonders den anwesenden 90 Überlebenden, die den schweren Weg auf sich genommen haben, um an der Veranstaltung teilzunehmen. Neben Vertretern gesellschaftlicher Organisationen und jüdischer Gemeinden waren Politiker, Kirchenvertreter, in Deutschland akkreditierte Diplomaten und Angehörige des britischen Militärs anwesend.

Die russische Delegation wurde vom Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland Wladimir Grinin geleitet.

In seiner Ansprache rief Bundespräsident Joachim Gauck zum weltweiten Kampf gegen Menschenrechtsverletzungen auf. Das Staatsoberhaupt erinnerte an die "unermessliche Schuld" der Deutschen: Orte wie Bergen-Belsen, Buchenwald oder Dachau seien Symbole für die politische, moralische, kulturelle und humanitäre Katastrophe, zu der das "Dritte Reich" geführt habe.

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, zeigte sich erschüttert über die Barbarei in Bergen-Belsen und beklagte ein Wiederaufleben des Antisemitismus in der Gegenwart, vor allem in Europa.

Romani Rose vom Zentralverband der Sinti und Roma verwies auf die systematische Verfolgung der Angehörigen seiner Volksgruppe, von denen viele auch in Bergen-Belsen zu Tode kamen.

Zum Abschluss der Gedenkstunde sprachen Überlebende aus Polen, der Ukraine, Frankreich, Israel und den USA. Traditionell wurden Kränze an der Inschriftenwand auf dem Gelände der Gedenkstätte und am Jüdischen Mahnmal niedergelegt.

Im Vorfeld der Veranstaltung fand die Kranzniederlegung zum Gedenken an die ums Leben gekommenen sowjetischen Kriegsgefangenen auf dem Ehrenfriedhof in Hörsten statt. Dort sind beinahe 20 000 Rotarmisten begraben. Allein vom Sommer 1941 bis zum Frühjahr 1942 starben etwa 14 000 sowjetische Kriegsgefangene infolge der tödlichen Lebensbedingungen in Bergen-Belsen und im Arbeitseinsatz.

200 000 Menschen waren seit 1940 in das Lager Bergen-Belsen am Südrand der Lüneburger Heide deportiert worden. Über 70 000 Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge verschiedener Nationalitäten wurden getötet oder starben an den unmenschlichen Bedingungen und Misshandlungen in den Jahren bis 1945. Das KZ Bergen-Belsen wurde am 15. April 1945 durch britische Truppen befreit.

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