Raumschiff „Progress“ mit der Fracht für die Astronauten konnte nicht an der ISS ankoppeln

Der Weltraumlaster „Progress M-27M", der am 28. April vom Weltraumbahnhof Bajkonur gestartet hatte und wichtige Fracht für die Astronauten an Bord hatte, konnte sein Ziel trotzdem nicht erreichen. Wie Quellen aus dem Bereich der Raumfahrt berichten, wird das Schiff wohl auch im manuellen Modus nicht anzukoppeln sein. Es wird erwartet, dass es in der Atmosphäre verglüht, Splitter können aber auch die Erde erreichen. Nach Angaben von Interfax sind sowohl Gebiete Nord- und Südamerikas, Europas und des Nahen Ostens gefährdet.

An Bord des Weltraumlasters „Progress M-27M" befinden sich 2,5 Tonnen wertvoller Fracht für die Astronauten, darunter Verpflegung, Treibstoff, Sauerstoff und Geräte für wissenschaftliche Experimente. Das Schiff kam auf eine wesentlich höhere Erdumlaufbahn, als errechnet war. Nach der Abtrennung der letzten Raketenstufe der Trägerrakete „Sojus" wurden auf der Erde keine Informationen über den Zustand des Weltraumlasters mehr empfangen, von den sechs Antennen des Koppelungssystems sind nur zwei aufgegangen und Progress selbst begann, sich unkontrolliert zu drehen.

Bis zum Schluss hoffte man bei Roskosmos darauf, dass das Schiff manuell angekoppelt werden kann. Dafür wäre aber eine stabile Verbindung notwendig gewesen, diese ist aber aufgrund der schnellen Drehung von Progress um die eigene Achse nicht möglich gewesen. Wie RIA Novosti von einer Quelle aus dem Bereich der Raumfahrt erfuhr, wird das Manöver einer manuellen Koppelung zu

gefährlich, denn er kann die Besatzung und die Station zerstören. „Dieses Risiko wird wohl niemand aufnehmen: Die Verantwortung ist hoch, es geht um das Leben von Menschen. Deshalb ist die Option wahrscheinlich, dass das Schiff die Höhe der Umlaufbahn seines Flugs langsam verringert und danach einfach in der Erdatmosphäre verglüht." sagt der Gesprächspartner der Agentur.

Wie Interfax schreibt, können die Teile des Schiffs, die nicht in der Atmosphäre verglühen, vom 7. bis zum 11. Mai auf der Erde auftreffen. Nach Angaben der Agentur kann das in jedem Punkt des Bereichs passieren, der von dem 52. nördlichen und südlichen Breitengrad eingegrenzt wird. Das bedeutet, dass damit das Gebiet von Nord- und Südamerika, Europa und der Nahe Osten zur Gefahrenzone wird.

Die Situation um Progress wird sich nicht auf der Besatzung der Weltraumstation auswirken: Die Astronauten haben genug Wasser, Sauerstoff und Lebensmittel für weitere zwei bis drei Monate. Außerdem ist für den 19. Juni der Start des amerikanischen Raumschiffs Dragon eingeplant, das mehrere Tonnen Nutzlast zur ISS bringt.

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