Vielzahl von Gedenkfeiern in Berlin zum 70. Jahrestag der Befreiung

Kranzniederlegung in Berlin-Treptow am 9. Mai 2015. Foto: Eduard Osechkin

Kranzniederlegung in Berlin-Treptow am 9. Mai 2015. Foto: Eduard Osechkin

Am Wochenende haben in ganz Deutschland Zehntausende Menschen in einer Vielzahl von Kundgebungen, Kranzniederlegungen, Feiern und anderen Veranstaltungen an die Befreiung vom Faschismus und das Kriegsende in Europa vor 70 Jahren erinnert.

In der Hauptstadt gedachten vor den Sowjetischen Ehrenmalen im Treptower Park, im Tiergarten und in der Schönholzer Heide in Pankow Tausende Menschen dem Kriegsende. Allein 10 000 Menschen kamen am Samstag zum größten Ehrenmal Berlins im Treptower Park.

Die Botschafter der Russischen Föderation, Armeniens, Aserbaidschans, der Republik Belarus, Kasachstans, Kirgistans, Tadschikistans, Turkmenistans, Usbekistans, Frankreichs und Vertreter der anderen Alliierten der Anti-Hitler-Koalition legten Kränze und Blumen an den Ehrenmalen in Treptow und im Tiergarten nieder. Dieser Jahrestag sei wichtig „für uns und für alle", sagte der russische Botschafter in Deutschland, Wladimir Grinin.

Die Veranstaltung war gleichzeitig ein großes Treffen der russischsprachigen Gemeinde in Deutschland. Viele Menschen nutzten den Tag für einen Familienausflug mit Picknick, andere für eine Demonstration ihrer politischen Ansichten. Viele trugen Bilder ihrer gefallenen Angehörigen und beinahe alle das schwarz-orange-gestreifte Sankt-Georgs-Band.

Auch Mitglieder des umstrittenen russischen Motorradclubs Nachtwölfe und ihre Unterstützer besuchten beide Gedenkstätten. Begleitet wurden sie von mit russischen Flaggen geschmückten Autos und Motorrädern aus anderen Bundesländern.

Im Anschluss an die Kranzniederlegungen fand in der Botschaft der Russischen Föderation in Berlin ein feierlicher, dem Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg, in Russland Großer Vaterländischer Krieg genannt, gewidmeter Empfang statt. Gemeinsam eingeladen hatten die Botschafter der GUS-Staaten in der Bundesrepublik Deutschland. Veteranen des Großen Vaterländischen Krieges, Vertreter des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums der Verteidigung der Bundesrepublik Deutschland, der Landesbehörden von Berlin und Brandenburg, Politiker, Kulturschaffende, Journalisten sowie Angehörige des in Berlin akkreditierten diplomatischen Korps und Militärattachés waren der offiziellen Einladung gefolgt.

Botschafter Grinin würdigte in seiner Ansprache die Bedeutung des 70. Jahrestages des Sieges und den Kampf der Veteranen für die Befreiung Deutschlands und Europas vom Faschismus. Angesichts der vom sowjetischen Volk erbrachten Opfer und der Hauptlast im Krieg, sei es eine menschliche, historische Pflicht, die Erinnerung nicht nur als Zeichen der Würdigung der Opfer wahrzunehmen, sondern auch als Mahnung für lebende und nachkommende Generationen. Er sprach sich gegen jegliche Versuche der Verfälschung der historischen Wahrheit aus.

Auch wenn die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland zurzeit nicht die besten seien, hoffe er auf eine künftige Verbesserung und Normalisierung. Russland sei an der Weiterentwicklung des freundschaftlichen und partnerschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland interessiert, so Grinin.

Am Nachmittag fand im Tiergarten am sowjetischen Ehrenmal eine weitere Kundgebung auf Initiative des Berliner Historikers Götz Aly statt. Alle Berliner waren aufgefordert, Blumen niederzulegen. Sie sollten als Ausdruck persönlichen Mitgefühls, aber auch als Gruß an alle heute auf dem Gebiet der einstigen Sowjetunion und in anderen Ländern lebenden Familien, deren Angehörige in Folge des deutschen Aggressionskrieges gefallen oder verhungert waren, gelten. Ebenso sollten die Blumen die Erinnerung an die 27 Millionen getöteten Rotarmisten, Zivilisten und Zwangsarbeiter aufrecht erhalten.

SPD-Politiker Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums, rief in seiner Rede die Millionen russischen Toten des Zweiten Weltkrieges und die Leiden der russischen Kriegsgefangenen in Erinnerung. Das Gedenken an diese dürfe nicht durch „tagesaktuelle Ereignisse" wie die Situation in der Ostukraine überlagert werden. „Wir sind sehr gut beraten, Dinge voneinander zu trennen", so Platzeck. Russland habe im Zweiten Weltkrieg den höchsten Blutzoll zu verzeichnen gehabt. Er wünsche sich, dass die sowjetischen Opfer genauso Platz in der Erinnerung finden wie die Opfer des Holocaust, sagte Platzeck.

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