Russische Wissenschaftler entwickeln neues Verfahren zur Gewinnung von Nanozellulose

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Die Wissenschaftler der Universität Perm (Nordural) haben ein neues Verfahren zur Gewinnung von Nanozellulose entwickelt, einem Material, das in seiner Festigkeit Stahl übertrifft und in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden könnte - von extrem biegsamen Bildschirmen bis hin zu schusssicheren Westen. Die neue Technologie erlaubt es, bei der Produktion von Nanozellulose ca. 71 Prozent der Kosten einzusparen. Man benötigt dafür einen Schimmelpilzstamm der Art Aspergillus Niger, der sehr effektiv Lignin und Hemizellulose, die die Qualität des Materials beeinträchtigen, zerstören kann. An dem Projekt haben die Labors für mikrobielle und zelluläre Biotechnologie der Universität Perm in Zusammenarbeit mit dem Institut für Ökologie und Genetik von Mikroorganismen der Abteilung Ural der Russischen Akademie der Wissenschaften teilgenommen.

„In Russland wird keine Nanozellulose hergestellt, weil die Herstellungskosten so hoch sind", erklärt Aleksandr Maksimow, Leiter der Abteilung Biokatalyse und Biosynthese des Labors für mikrobielle und zelluläre Biotechnologie, gegenüber RBTH. „Unser Ziel war die Herstellung eines neuartigen Materials durch die Kombination aus physikalischen, chemischen, mechanischen und biotechnologischen Arbeitsschritten. Schließlich wurde ein neues Verfahren zur Gewinnung von Nanozellulose entwickelt, das günstiger ist als alle alternativen Verfahren weltweit, da die Rohstoffe und Arbeitsmethoden

günstig sind." Laut Maksimow ist die Neuigkeit über die neue Technologie bei vielen russischen Herstellern bereits auf Interesse gestoßen.

Die Wissenschaftler überprüfen, ob sich die Abfälle von Papierfabriken, die in großen Mengen anfallen und eine große Gefahr für die Umwelt darstellen, als eine Hauptrohstoffquelle für solche Verfahren geeignet sind. Allein im Gebiet Perm gibt es, laut Elvira Posjumko, einer Mitarbeiterin des Labors, mehr als acht Tonnen nicht umweltgerecht entsorgter Abfälle. Inwiefern die Nutzung der Abfälle von Papierfabriken wirtschaftlich ist, ist jedoch noch nicht klar.

Nanozellulose wird für die Herstellung besonders fester Papiersorten oder als Klebstoff zur Ausbesserung von Defekten oder Rissen genutzt und man kann sie verschiedenen Baumaterialien beimischen. Außerdem kann man aus diesem Material extrem biegsame Bildschirme, schusssichere Westen und andere Panzerungen herstellen. In der Medizin könnte man Nanozellulose als Sorptionsmittel oder Verbandsmaterial nutzen.

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