Gaspipeline Nord Stream 2 soll gebaut werden

Stanislaw Krasilnikow/TASS
Am Rande des Östlichen Wirtschaftsforums konnten sich Gazprom und namhafte europäische Energiekonzerne auf den gemeinschaftlichen Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 einigen.

Der Erdgaskonzern Gazprom unterzeichnete im Rahmen des Östlichen Wirtschaftsforums in Wladiwostok eine Vereinbarung mit europäischen Energiekonzernen zum Bau der Gaspipeline Nord Stream 2. Der russische Konzern soll 51 Prozent der Anteile am Gemeinschaftsprojekt halten. Die deutschen Unternehmen E.On und Wintershall, die österreichische OMV und die britisch-holländische Shell erhalten je zehn Prozent. Der französische Konzern Engie soll zudem mit neun Prozent der Anteile beteiligt werden.

Nord Stream 2 ist ein Projekt zum Bau einer Erdgaspipeline mit einer Kapazität von 55 Milliarden Kubikmeter, um Gas aus Russland über die Ostsee nach Deutschland zu leiten. Die Route der Pipeline und die Abnahmestelle zur Einspeisung des Gases ins deutsche Gasnetz sollen identisch zur ersten Nord-Stream-Pipeline sein. Diese war 2011 in Betrieb genommen worden.

Russlands Exportpipelines

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Die Unterzeichnung des Abkommens zu Nord Stream 2 zeigt deutlich auf, dass die Europäische Union in Fragen der Energieversorgung tief gespalten ist. Die größten Energiekonzerne Deutschlands, Frankreichs, Großbritanniens und Österreichs unterstützen ein Projekt, dessen Realisierung den Gastransit durch die Ukraine, politischer Partner der Europäischen Union, stark einschränken würde. Brüssel zumindest hat kein Interesse an Nord Stream 2: EU-Kommissar für Energie Maroš Šefčovič gab zu Protokoll, Gaspipelines in Umgehung der Ukraine würden nicht gebraucht.

Das Projekt wirkt zudem wie ein Ausschluss der südlichen EU-Länder, die im letzten Jahr durch die USA und die Europäische Kommission am Bau des South Stream gehindert wurden. Nun wird geplant, eine Gaspipeline zu bauen, die bei einer Kapazität von 55 Kubikmetern jährlich mehrere Milliarden Dollar an Transitzahlungen generieren dürfte. Diese fließen nun aber an Deutschland und Tschechien und nicht an Bulgarien und Ungarn. Zudem werden alle europäischen Erdgasimporte aus Russland nun über Deutschland fließen, was den deutschen Gastransitunternehmen für Jahrzehnte im Voraus stabile Erträge garantiert.

"Die Teilnehmer des South Stream, Bulgarien, Griechenland und Italien, sind Länder einer anderen Gewichtsklasse und können eine Lösung, die der allgemeinen politischen Ausrichtung widerspricht, nicht durchsetzen. Deutschland kann das", findet der Vorsitzende des Rats für Außen- und Verteidigungspolitik Russlands Fjodor Lukjanow. Seiner Meinung nach setze Berlin noch immer auf eine Diversifizierung der Erdgaslieferungen und eine Verringerung der Abhängigkeit von Russland. Auch werde man die Ukraine weiterhin politisch unterstützen, hier sei aber eine pragmatische Lösung gewählt worden.

Die ungekürzte Fassung des Beitrags erschien zuert bei Kommersant. 

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