Gazprom erschließt neue europäische Abnehmer

Der Energiekonzern Gazprom hatte erfolgreich eine Gasversteigerung durchgeführt. So soll der Export des Unternehmens optimiert werden. Zudem könnte die Strategie langfristig auch die Transitfrage mit der Ukraine lösen.

Der russische Energiekonzern Gazprom versucht sich an einer neuen Strategie: Der Gasmonopolist hielt erstmals in der Firmengeschichte eine Gasversteigerung ab. An den vier Auktionstagen wurde ungefähr ein Drittel des über den Winter nach Europa zu liefernden Gases verkauft worden. Der neue Ansatz soll der Optimierung der Exportstrategie des Unternehmens dienen.

Gazprom Export zufolge sei von dem Gesamtvolumen von 3,2 Milliarden Kubikmetern, das in der Winterperiode von Oktober 2015 bis März 2016 nach Europa geliefert werden soll, mehr als eine Milliarde Kubikmeter versteigert worden. Die im Schnitt erzielten Erlöse lagen über dem durchschnittlichen Vertragspreis der aktuellen Langzeitverträge sowie auch über den Preisen an europäischen Knotenpunkten.

Im Rahmen der Auktion wickelte Gazprom rund 40 Geschäfte ab. Der Tageszeitung „Kommersant“ zufolge wurde das Gas vor allem an mittelständige Unternehmen und Kunden ohne Langzeitverträge mit Gazprom versteigert. Davon zeugt auch die generelle Struktur der Geschäfte. Kunden boten für vier bis fünf Pakete mit Volumina zwischen 75 und 100 Millionen Kubikmeter. Für größere Unternehmen mit Langzeitverträgen lohnt sich dieser Preis nicht. Für sie ist es günstiger, im Winter zusätzliches gas nach Vertragspreis zu beziehen.

Bei Gazprom zeigte man sich mit den Ergebnissen des Experiments sehr zufrieden. „Alle Aufgaben wurden gelöst, alle Ziele erreicht“, hieß es dort. Die Chefin der Exportabteilung bei Gazprom Jelena Burmistrowa schloss nicht aus, dass solche Auktionen auch „an den anderen west- und osteuropäischen Übergabepunkten durchgeführt werden könnten“.

Das Verkaufsmodell könnte auch in der Ukraine erfolgsversprechend sein, da man dadurch die Transitprobleme lösen würde. Bei einer Versteigerung wäre der europäische Kunde für den Transit verantwortlich.

Alexej Griwatsch vom Russischen Fonds für Nationale Energiesicherheit glaubt allerdings, dass Gazprom auf ein Experiment bei der Zulassung neuer Teilnehmer für Lieferungen über die Ukraine nicht eingehen wird. Der Transitvertrag zwischen Gazprom und dem ukrainischen staatlichen Unternehmen NAK Naftohas Ukrajiny wird aktuell von der ukrainischen Seite vor dem Schiedsgericht in Stockholm angefochten. Das Schiedsgericht könnte die Bedingungen der Verträge gegen Gazprom auslegen. Auktionen für über die Ukraine geliefertes Gas werden also wohl erst nach Beendigung des aktuellen Transitvertrages möglich sein.

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