Der Schriftsteller und Philosoph Jurij Mamlejew ist tot

Bekannt wurde Jurij Mamlejew für seine zahlreichen Erzählungen, Romane und philosophischen Essays, die er im Samisdat (Selbstverlag) herausbrachte.

Bekannt wurde Jurij Mamlejew für seine zahlreichen Erzählungen, Romane und philosophischen Essays, die er im Samisdat (Selbstverlag) herausbrachte.

PhotoXPress
Jurij Mamlejew wurde in Russland erst nach der Perestroika einem breiteren Publikum bekannt. In der Sowjetunion durfte er seine Werke nicht veröffentlichen.

Der Schriftsteller und Philosoph Jurij Mamlejew ist im Alter von 83 Jahren in seiner Geburtsstadt Moskau gestorben. Der Literaturkritiker Wladimir Bondarenko gab seinen Tod bekannt.

Jurij Mamlejew wurde am 11. Dezember 1931 geboren. Er absolvierte am Moskauer holztechnischen Institut eine Ingenieursausbildung. Zwischen 1957 und 1974 unterrichtete er Mathematik an Abendschulen. Bekannt wurde Mamlejew für seine zahlreichen Erzählungen, Romane und philosophischen Essays, die er im Samisdat (Selbstverlag) herausbrachte. Seine Wohnung im Juzhinskij Pereulok war ein beliebter Treffpunkt der alternativen Kulturszene der 1960er-Jahre.   

Nachdem er seine Werke in der Sowjetunion nicht mehr veröffentlichen konnte, emigrierte Mamlejew 1974 gemeinsam mit seiner Frau in die USA. In den Staaten lehrte er unter anderem an der Cornell University. 1983 zog er nach Paris, wo er russische Literatur am bekannten Institut für orientalische Kulturen unterrichtete. Seine Werke wurden in viele europäische Sprachen übersetzt. Im Westen war er für sein Lebenswerk hoch geachtet. 

Zu Beginn der 1990er-Jahre kehrte Mamlejew nach Russland zurück. Bis 2008 gab er in seiner Heimat 27 Bücher heraus, unter anderem seine philosophischen Werke. Seine Theaterstücke wurden in Russland und bei den Festspielen in Graz aufgeführt. Er gilt als Begründer des literarischen Metarealismus, dessen Grundlagen er im Kapitel „Metaphysik und Kunst“ seines philosophischen Werks „Schicksal des Daseins“ dargelegt hat.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei der Nachrichtenagentur TASS

Lesetipps: Neun Bücher über die Perestroika

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland