Nato-Vorwurf: Moskau fordert Beweise zu angeblichen Luftangriffen

Nato-Streitkräfte hätten im Jemen und Afghanistan selbst zwei Krankenhäuser zerstört, erinnert der Experte Sergej Karaganow.

Nato-Streitkräfte hätten im Jemen und Afghanistan selbst zwei Krankenhäuser zerstört, erinnert der Experte Sergej Karaganow.

mil.ru
Das russische Verteidigungsministerium verlangt von der Nato Beweise für die Behauptung, in Syrien seien Krankenhäuser von russischen Fliegern angegriffen worden. Andernfalls erwartet man in Russland ein offizielles Dementi.

Das russische Verteidigungsministerium hat am Dienstag die Militärattachés der Nato und Saudi-Arabiens aufgefordert, Beweise für eine angebliche Bombardierung syrischer Krankenhäuser durch die russische Luftwaffe vorzulegen. Westliche Medien hatten entsprechende Meldungen veröffentlicht.

„Wir haben die Militärattachés der USA, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands, Italiens, Saudi-Arabiens, der Türkei und der Nato aufgerufen, die Vorwürfe mit Beweisen zu belegen oder sie zu dementieren“, sagte der Vize-Verteidigungsminister der Russischen Föderation Anatoliy Antonow. Russland habe eine Frist von „wenigen Tagen“ gesetzt. Antonow betonte, dass Russland allen Berichten über angebliche Angriffe gegen zivile Ziele nachgehe. 

Der Ehrenvorsitzende des Rats für Außen- und Verteidigungspolitik, Sergej Karaganow, der auch Dekan an der Fakultät für Weltwirtschaft und Weltpolitik der Moskauer Higher School of Economics ist, erklärte im Gespräch mit RBTH, er gehe nicht davon aus, dass solche Beweise existieren. „Ich würde vorerst diese Provokation nicht allzu ernst nehmen. Es gibt Dutzende davon, und sie sind Teil eines Propagandakriegs. Aber wenn einer lügt, muss das lautstark gesagt werden“, sagte Karaganow. Nato-Streitkräfte hätten im Jemen und Afghanistan selbst zwei Krankenhäuser zerstört, erinnerte er. Nun versuche man, „zweifellos“ von diesen Misserfolgen abzulenken.

Karaganow geht davon aus, dass die Nato mit einer unverbindlichen Erklärung reagieren wird, etwa mit dem Verweis, es handle sich lediglich um Vermutungen, die auf Rohdaten basierten. Eine vergleichbare Reaktion hätte es auch schon im Falle von Flug MH17 gegeben. Allzu oft könne man diese Karte nun aber nicht mehr ausspielen, betonte Karaganow.

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