„Einfach nur PR“: Russlands Reaktion zum möglichen Tennisskandal

Die russische Tennisspielerin Maria Scharapowa hoffe ihrerseits, dass es im Tennis keinen Raum für Manipulation gibt.

Die russische Tennisspielerin Maria Scharapowa hoffe ihrerseits, dass es im Tennis keinen Raum für Manipulation gibt.

AP
Solange nichts bewiesen ist, gilt die Unschuldsvermutung, lautet ein juristischer Grundsatz. Schamil Tarpischtschew, Russlands oberster Tennisfunktionär, geht in seiner Bewertung der aktuellen Tennisenthüllungen noch weiter.

Der Vorwurf an Top-Spieler, Begegnungen manipuliert zu haben, sei substanzlos, glaubt der Präsident des russischen Tennisverbands, Schamil Tarpischtschew: „Ich bin mir sicher, dass es sich einfach nur um PR handelt, auf die wir gar nicht reagieren sollten“, sagte Tarpischtschew der Nachrichtenagentur Tass.

Tarpischtschew betonte zudem, dass sich noch kein Fall einer Spielmanipulation durch einen führenden Spieler bestätigt habe. „Wenn etwas bewiesen worden wäre, dann hätte es schon längst Disqualifikationen gegeben“, meint Tarpischtschew.

Die russische Tennisspielerin Maria Scharapowa hoffe ihrerseits, dass es im Tennis keinen Raum für Manipulation gibt. „Für mich hat der Sport schon immer mehr als Geld bedeutet“, zitiert der Pressedienst der Australian Open den Tennisstar.

Am Montag berichteten die BBC und BuzzFeed News, dass sie Zugang zu den Ergebnissen der im Jahr 2007 begonnenen Ermittlung der Association of Tennis Professionals (ATP) erhalten hätten. Die BBC behauptet, Unterlagen erhalten zu haben, die eine Tätigkeit von Wettsyndikaten in Russland, im Norden Italiens und auf Sizilien belegten. In zehn Jahren sollen die Wetten mehrere Hunderttausend britische Pfund eingebracht haben.

Die Ergebnisse der Begegnungen, auf die gewettet wurde, sollen laut Ermittlern abgesprochen worden sein. Mehrere professionelle Tennisspieler, unter anderem auch Sieger der Grand-Slam-Turniere, stehen unter Verdacht an solchen manipulierten Begegnungen teilgenommen zu haben.

Eine unabhängige Kommission der ATP hatte die Ermittlungen im Jahr 2007 aufgenommen, nachdem der russische Tennisspieler Nikolaj Dawydenko verdächtigt wurde, an Spielmanipulationen beteiligt gewesen zu sein. Die Kommission wurde unter anderem aufgrund der Begegnung von Dawydenko gegen den Argentinier Martin Vassallo Argüello im Rahmen eines Turniers im polnischen Sopot aufmerksam. Damals hatte Dawydenko, der als Favorit galt, aufgrund einer Verletzung die Begegnung abgesagt. Bereits ein Jahr später standen beide Sportler nicht mehr unter Beobachtung.

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