Menschenrechtler und Reporter im Nordkaukasus überfallen

Eine Menschenrechtsaktivistin protestiert vor der Präsidialverwaltung in Moskau. Auf ihrem Plakat steht: „Machen Sie die Schuldigen ausfindig!“

Eine Menschenrechtsaktivistin protestiert vor der Präsidialverwaltung in Moskau. Auf ihrem Plakat steht: „Machen Sie die Schuldigen ausfindig!“

AP
Unbekannte haben mindestens sechs Menschen verletzt.

Am gestrigen Abend haben Unbekannte an der Grenze zwischen den russischen Teilrepubliken Inguschetien und Tschetschenien einen Kleinbus mit Journalisten und Menschenrechtlern angegriffen, wie die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti berichtet. Sechs Menschen, darunter Reporter aus Schweden und Norwegen, wurden verletzt.

Auf Einladung des Komitees zur Verhütung von Folter – einer Menschenrechtsorganisation – war die insgesamt achtköpfige Reisegruppe auf einer Presse-Rundfahrt durch die nordkaukasischen Teilrepubliken unterwegs. In der Region ist der radikale Islamismus weit verbreitet, die regionale Führung steht regelmäßig wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik.

Der Überfall ereignete sich in der Stadt Sunscha. Rund 20 Maskierte hätten die Businsassen herausgezerrt und zusammengeschlagen, einige der Reisenden seien ausgeraubt worden. Den Kleinbus samt den persönlichen Gegenständen der Passagiere hätten die Angreifer in Brand gesetzt.

Inguschetiens Innenminister hat den Tatort besichtigt. Ein Ermittlungsteam unter seiner Leitung soll die näheren Umstände des Überfalls klären. Ein Strafverfahren wurde eingeleitet.

Der Duma-Vizevorsitzende, Sergej Schelesnjak, zeigte sich empört und forderte die inguschetische Führung dazu auf, die Ermittlungen unter besondere Kontrolle zu nehmen. Es sei zu verhindern, dass der Vorfall benutzt werde, um „die Lage in der Region zu destabilisieren und das Verhältnis Russlands und der Länder zu verschärfen, deren Vertreter beim Überfall geschädigt worden sind.“

In der vergangenen Nacht wurde zudem bekannt, dass Unbekannte das Büro des Komitees im inguschetischen Karabulak attackiert haben. Im vergangenen Juni hat ein ähnlicher Überfall auf die Büroräume des Komitees in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny stattgefunden. Die damaligen Tatverantwortlichen wurden nicht gefunden. 

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