Meldonium: In Russland ein Jahr vor Verbot als Pharmazeutikum eingestuft

Pavel Lisitsyn / RIA Novosti
Antidopingexperten haben das Präparat getestet.

Ein Jahr vor dem Meldonium-Verbot führte das russische Antidopingzentrum eigenständige Untersuchungen des Präparats durch. Damals kamen die Experten zu dem Schluss, das Meldonium sei ein Pharmazeutikum, welches den Sportlern ganz legal im Rahmen von Medikationsplänen unter ärztlicher Aufsicht verabreicht worden sei. Die russische Wirtschaftszeitung RBC verfügt über eine Kopie des entsprechenden Expertenpapiers.

Die Untersuchung lief von Oktober 2014 bis Februar 2015. Die Ergebnisse wurden auf dem jährlich stattfindenden Seminar des Manfred-Donike-Instituts für Dopinganalytik an der Deutschen Sporthochschule Köln vorgestellt.

Laut dem Dokument wurden 4316 Proben russischer Sportler untersucht. Bei den 724 davon, also 17 Prozent, wurden Meldonium-Spuren nachgewiesen. Am meisten verwendeten Rugby-Spieler das Präparat – 53 Prozent. Die Volleyballer setzten es am wenigsten ein – vier Prozent. Unter den Leichtathleten betrug der Anteil der Meldonium-Nutzer elf Prozent.

„Angesichts des schnellen Abbaus des Präparats innerhalb von 24 Stunden und der hohen Konzentrationen in den entnommenen Blutproben, kann man schlussfolgern, dass Meldonium als Pharmazeutikum eingesetzt wird“, erklärten die Experten des Antidopingzentrums Timofej Sobolewski, Marina Dikunez und ihr damaliger Leiter Grigori Rodtschenkow.

Eine der Co-Autoren der russischen Untersuchung, die geschäftsführende Direktorin des Antidopingzentrums Marina Dikunez, bestätigte RBC die Echtheit des Dokuments. Das russische Antidoping-Zentrum habe seine Arbeit aufgenommen, nachdem die Welt-Antidopingagentur das Mildronat in 2014 auf die Überwachungsliste gesetzt hat.

Inzwischen wurde die Arbeit des russischen Antidopingzentrums und der Russischen Antidoping-Agentur Rusada auf einen Wada-Beschluss hin aufgrund zahlreicher Verstöße vorübergehend eingestellt.

Das Meldonium kam am 1. Januar 2016 auf die Verbotsliste. Seitdem wurden bereits acht russische Sportler der Verwendung dieses Präparats überführt. Weltweit wurde das Mittel bei 60 Sportlern nachgewiesen. 

Russische Sportler, die mit Meldonium erwischt wurden:

1. Die Tennisspielerin Maria Scharapowa

2. Die Eiskunstläuferin Jekaterina Bobrowa, die gemeinsam mit Dmitrij Solowjew als erste Nummer der russischen Sbornaja im Eistanz galten.

3. Der auf der WM im Eisschnelllauf in Kolomna frisch gekürte Weltrekordträger Pawel Kulischnikow.

4. Sein Kollege und Olympia-Sieger im Shorttrack von Sotschi 2014 Semjon Jelistratow.

5. Alexander Markin, Mitglied des russischen Volleyball-Teams.

6. Alexej Lowtschew, russischer Weltrekord-Gewichtheber.

7. Eduard Borganow, Radfahrer. 

8. Aljona Michalzowa, Rugby-Spielerin.

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