Russische Verbraucher zeigen sich sehr pessimistisch

Said Tsarnaev/RIA Novosti
So schlecht wie zurzeit war die Stimmung unter russischen Verbrauchern seit elf Jahren nicht mehr.

18 Prozent der Russen haben kein Geld zur freien Verfügung mehr übrig, ergab der Index für Verbrauchervertrauen für das erste Quartal des Jahres 2016. Während der schweren Krise 2009 galt dies noch für lediglich vier bis sieben Prozent der Befragten. Darüber hinaus spart die Bevölkerung heute bei neuer Kleidung, Elektronik und Urlaub. Mit 63 Punkten lag der Index zu Beginn des Jahres so tief wie seit elf Jahren nicht mehr. Fast 70 Prozent der Befragten glauben zudem nicht an eine Verbesserung der Situation.

„Mit dem Begriff „Erschöpfung“ kann man die Lage der russischen Verbraucher heute gut beschreiben“, fasst Marina Lapenkowa, Direktorin für Arbeit mit globalen Kunden beim Marktforschungsunternehmen Nielsen Rossija, zusammen. Die Urlaubsplanung sei für russische Verbraucher aktuell kein Vergnügen. „Aufgrund fehlender Alternativen fahren Russen entweder überhaupt nicht in den Urlaub oder wählen weniger erfreuliche Varianten.“ Das Interesse an einem Sommerurlaub im Ausland fiel im Februar 2016 um drei Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres, an einem Urlaub innerhalb Russlands sogar um 16 Prozent. Diese Daten stammen von der Vereinigung der Tourismusdienstleister in Russland. Führende Reiseziele für Russen im Inland sind die Badeorte in der Region Krasnodar, auf der Krim und in Sankt Petersburg. Im Ausland werden Zypern, Griechenland, Spanien und Montenegro bevorzugt. Der Anteil der Russen, die am Urlaub sparen, sei im Laufe des Jahres um einen Prozentpunkt auf 31 Prozent gestiegen, gab Nielsen Rossija bekannt.

Diljara Ibragimowa, Dozentin am Lehrstuhl für ökonomische Soziologie an der Higher School of Economics in Moskau, erklärt, dass sich das aktuelle Verbraucherbild von dem während der Krise in den Jahren 2008 und 2009 insbesondere durch seine anhaltende negative Stimmung unterscheide. „Im Laufe des unglücklichen Jahres 2015 war die Stimmung gedrückt. Eine Reihe sozialpolitischer Ereignisse, die den patriotischen Geist bestärkt haben, wirkte sich jedoch positiv auf die Zukunftserwartung aus“, erklärt Lapenkowa, „Heute sind diese Faktoren verschwunden. Die Müdigkeit, verursacht von der harten Wirtschaftslage, in der die Verbraucher nun schon ein Jahr lang leben, wächst an.“

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