Moskau und Washington einigen sich auf Waffenruhe in Aleppo

Reuters
Mindestens 48 Stunden sollen die Waffen in der syrischen Stadt schweigen.

Seit Wochen sind in Aleppo Teile der syrischen Armee, oppositionelle Kräfte und radikale Islamisten in erbitterte Kämpfe verwickelt. Moskau und Washington haben sich am 5. Mai auf eine Waffenruhe geeignet, die unverzüglich in Kraft getreten ist und mindestens 48 Stunden anhalten soll.

Eigentlich ist schon am 27. Februar ein Waffenstillstand für Syrien vereinbart worden. Als eine der strategischen wichtigen syrischen Städte wird Aleppo jedoch weiterhin umkämpft. Inzwischen haben die Regierungstruppen die westlichen Stadtgebiete unter ihre Kontrolle gebracht – die Aufständischen und die Dschihadisten beherrschen die anderen Teile der Großstadt. Wie Moskau und Damaskus erklären, sind die Stellungen der beiden Regierungstruppengegner derart verflochten, dass es unmöglich ist, Luftschläge ausschließlich gegen die Radikalen zu fliegen.

Der Nahost-Experte von der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst, Sergei Demidenko, sagt, der vereinbarte Friede sei aufgrund dieser Komplexität zum Scheitern verurteilt: „Langfristige Vereinbarungen sind in dem Chaos, das in Aleppo herrscht, einfach unmöglich“, sagt er.

Der Westen begrüßt die Waffenruhe. Der US-Außenminister John Kerry erklärte, die Vereinigten Staaten rechneten damit, dass sowohl die Regierungstruppen, als auch die Opposition sich daran halten. Der Waffenstillstand von Aleppo ist „eine gute Grundlage für die Wiederaufnahme von Gesprächen in Genf zwischen der syrischen Führung und der Opposition“, sagte der Chef des Auswärtigen Amtes, Frank-Walter Steinmeier. Die Verhandlungen sind vor einiger Zeit ausgesetzt worden.

Moskau zweifelt indes an der Aufrichtigkeit der Motive einiger an der Regulierung der Lage in Syrien beteiligten Seiten. Der russische Außenminister Sergei Lawrow sagte, die USA hätten beim Versuch, sich mit Russland auf eine Waffenruhe zu einigen, beabsichtigt, „die Grenzen der Ruhezone so zu bestimmten, dass zahlreiche Stellungen, die die an-Nusra besetzt hält, eingeschlossen werden.“ Jemand versuche Washington dafür zu nutzen, „die an-Nusra aus dem Gefahrenbereich rauszubringen“, mutmaßte Lawrow. Dahinter könne die Türkei stehen, erklärte der russische Außenminister mit Verweis auf Informationen über „die unschicklichen Beziehungen“ Ankaras mit dem IS und der Front an-Nusra. 

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