Frankreichs Fracking-Verbot: Eine Gefahr für Gazprom?

AFP/East News
Auch der russische Staatskonzern setzt die umstrittene Technologie ein.

Dem Fracking-Gas aus den USA droht in Frankreich das Aus, wie die französische Umwelt- und Energieministerin, Ségolène Royal, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte. Seit 1. Juli 2011 ist es in Frankreich verboten, Gas im Fracking-Verfahren zu fördern. Dieses Verbot soll, Angaben der Ministerin zufolge, auf importiertes Gas ausgeweitet werden.

Laut Experten kann die französische Entscheidung Russlands Position auf dem Gasmarkt stärken. Insbesondere könne die Firma Novatek – Russlands größter privater Gasförderer und Partnerunternehmen der französischen Total – vom Einfuhrverbot auf Fracking-Gas profitieren, sagt Georgi Waschtschenko, leitender Fondsmanager bei Freedom Finance. Gemeinsam mit Novatek entwickele der französische Energieriese eine Flüssiggasproduktion im Norden Russlands. Das Yamal LNG-Projekt komme ohne Fracking aus, erklärt der Experte.

Dem russischen Staatskonzern Gazprom könne das Verbot in Frankreich jedoch einen Schlag versetzen, sagt Alexei Kalatschew, Analyst bei Finam. Das Unternehmen setze die Fracking-Technologie auf dem Markowskoe-Gasfeld in Sibirien ein. Bei einem Importverbot auf Fracking-Gas müsse Gazprom wie die Vereinigten Staaten auch den Verlust eines großen Marktes befürchten.

Momentan deckt Russland rund ein Viertel des französischen Gasbedarfs ab. Frankreich ist der fünftgrößte Verbraucher russischen Gases in Europa. „Für die EU ist russisches Pipeline-Gas günstiger als die Gaslieferungen aus den USA“, sagt Iwan Kapitonow, Dozent für Unternehmensführung an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst. Daher sei es möglich, dass Frankreichs Verzicht auf amerikanisches Gas weniger ökologisch oder politisch als rein wirtschaftlich motiviert sei.

Bislang bleiben die vereinbarten Flüssiggaslieferungen aus den USA nach Frankreich deutlich hinter den Gaslieferungen aus Russland zurück. Rund eine Milliarde Kubikmeter Flüssiggas jährlich seien französischen Unternehmen vertraglich zugesichert. Gazprom jedoch habe im vergangenen Jahr 9,7 Milliarden Kubikmeter Gas nach Frankreich geliefert, betont Boris Gorodilow, leitender Analyst beim Branchenportal Conomy.ru.

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