Erst die USA, jetzt Russland: Vernichtung von Plutonium eingestellt

Herstellung von Kernbrennstoffen in einer Anlage in der Stadt Elektrostal in der Nähe von Moskau.

Herstellung von Kernbrennstoffen in einer Anlage in der Stadt Elektrostal in der Nähe von Moskau.

Sergei Fadeichev/TASS
Die Experten halten das Ende der Kooperation für besorgniserregend.

Präsident Wladimir Putin hat angeordnet, das Abkommen über die gemeinsame Beseitigung von waffenfähigem Plutonium auszusetzen. Den Erlass unterzeichnete er heute, am 3. Oktober.

Die Gefahr für die strategische Stabilität infolge „nicht freundschaftlichen Vorgehens der USA und der Unfähigkeit der USA, die Erfüllung von Verpflichtungen sicherzustellen“ seien die Gründe für den Stopp, heißt es im Dokument.

Moskau warf Washington bereits im April 2016 vor, die Vereinbarungen aus dem Abkommen nicht zu erfüllen.

Russland und die USA einigten sich im Jahr 2000 auf die gemeinsame Beseitigung von waffenfähigem Plutonium. Beide Seiten verpflichteten sich 34 Tonnen des radioaktiven Materials zu Brennstäben für Kernreaktoren zu verarbeiten – und zwar so, dass diese nicht mehr zu waffentauglichem Material angereichert werden können.

Der Politologe Alexej Arbatow vom Carnegie Moscow Center erklärte das Ende des Abkommens so: „Russland hat eine Fabrik für die Verarbeitung von Plutonium zu Brennelementen gebaut. Die USA haben das nicht“, erklärte er.

Ein Sprecher der Obama-Regierung sagte der Nachrichtenagentur TASS im vergangenen April, dass Washington sich an die Vereinbarung zwar halte, das Plutonium jedoch auf andere Weise verarbeiten möchte.

Laut Michail Uljanow, Experte des russischen Außenministeriums für die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen, erklärte, dass die Position Washingtons in Moskau Misstrauen erweckt: „Die von den USA angebotene Verarbeitungsmethode ermöglicht die Anreicherung von Brennelementen zu Waffenmaterial“, sagte er RBTH.

Alexej Arbatow betont, dass das Abkommen seit Langem an Kraft verloren habe. Die formale Aussetzung sei auf die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und den USA zurückzuführen.

Dennoch mache das Ende der Kooperation zwischen den beiden Ländern die Welt weniger sicher, sagte er: „Die ganze Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA bei der Sicherung waffenfähigen Kernmaterials ist beendet – sei es bei Uran oder Plutonium. Das ist besorgniserregend“, so der Experte vom Carnegie Center.

„Gerade in der momentanen Situation, wenn weltweit die Gefahr wächst, dass Terroristen in den Besitz von Kernwaffen gelangen, konterkariert der fehlende Dialog zwischen den beiden Atommächten die globale Sicherheit zusätzlich“, resümierte er. 

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