Leo Tolstois Tagebücher sind jetzt online

Am 9. September 2014 ehrte Google Leo Tolstoi anlässlich seines 186. Geburtstags auf der Startseite mit einem Doodle.  Bild: Google

Am 9. September 2014 ehrte Google Leo Tolstoi anlässlich seines 186. Geburtstags auf der Startseite mit einem Doodle. Bild: Google

Zum 186. Geburtstag des großen russischen Schriftstellers Leo Tolstoi sind im Rahmen des Projekts „Der ganze Tolstoi auf einen Klick“ seine Tagebücher im Internet veröffentlicht worden. Tolstoi hätte das sicher gefreut, schrieb er seine Tagebücher doch nicht für sich, sondern für die Nachwelt.

Am 9. September 2014 wäre Leo Tolstoi 186 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass wurden auf der Webseite www.tolstoy.ru jetzt äußerst seltene autobiografische Schriften Tolstois veröffentlicht: seine Tagebücher und Notizbücher. Diese bibliografischen Raritäten wurden im Rahmen des Projekts „Der ganze Tolstoi auf einen Klick“ digitalisiert und können nun heruntergeladen werden. Die Tagebücher sind in den Formaten .fb2, ePub, .mobi und HTML verfügbar.

Fjokla Tolstaja, Leiterin des Projekts und Urenkelin des Schriftstellers, würdigt noch einmal besonders den Einsatz der freiwilligen Helfer, die das Projekt möglich gemacht haben: „Wir sind den Freiwilligen dankbar, die an

Das Projekt „Der ganze Tolstoi auf einen Klick“ startete im Sommer 2013 in Zusammenarbeit mit dem russischen Unternehmen ABBY. In dem Portal wird mit Hilfe des Programms ABBY FineReader eine elektronische Version der 90-bändigen Gesamtausgabe des Schriftstellers vorgestellt.

Über 3 000 ehrenamtliche Helfer haben daran mitgearbeitet. Jeder kann nun seltene Werke und die Tagebücher des Schriftstellers online lesen oder sie sich auf sein Smartphone oder Tablet herunterladen. Auch eine E-Book-Version ist verfügbar.

Auf der Webseite www.tolstoy.ru können bisher 54 Bände heruntergeladen werden. An einer englischen Version der Seite wird zurzeit gearbeitet.

der Auswahl der Texte teilgenommen haben. Viele haben gesagt, dass die Tagebücher sie am meisten beeindruckt haben. Jetzt kann jeder, der sich dafür interessiert, diese Sammlung der Gedanken von Tolstoi herunterladen oder online lesen“, verspricht Tolstaja.

„Der nicht mehr junge Tolstoi sann in seinem Tagebuch über den Zusammenhang von Zeit und Raum. Sehr beeindruckend!“, findet der begeisterte Tolstoi-Leser Michail Rusow. „Das Thema von Raum und Zeit ist eines der grundlegendsten in den Tagebüchern der 1900er“, meint auch Wladimir Anjanow, ein Freiwilliger des Projekts. „Mehr hat er wahrscheinlich nur über Gott und die Liebe nachgedacht. In den Tagebüchern ist die tiefe Religiosität des Autors erstaunlich, die totale Unterwerfung seines Lebens unter die Forderungen des Guten, des Gewissens, der Liebe und des Willen Gottes. Auch die harte Selbstkritik Tolstois ist bemerkenswert.“ Wenn man Tolstois Tagebücher lese, könnte man ihn für ein Genie halten, sagt Anjanow. 

Seinen ersten Tagebucheintrag machte Tolstoi mit 18 Jahren in Kasan, der letzte datiert vier Tage vor seinem Tod. Es sind 31 Hefte mit Tagebucheinträgen erhalten geblieben, insgesamt 4 700 Seiten,

nur 500 Seiten weniger als das Original von „Krieg und Frieden“. Außer den Tagebüchern wurden auch die Notizbücher Tolstois digitalisiert. Der Schriftsteller benutzte sie, als er die Romane „Anna Karenina“ und „Krieg und Frieden“ schrieb. Am Ende seines Lebens waren die Tagebücher für Tolstoi das Wertvollste, was er je geschrieben hatte. Er maß ihnen viel größeren Wert bei als seinen Romanen und überhaupt der Prosa.

Einige Jahre vor seinem Tod sagte Tolstoi: „Ich habe darüber nachgedacht, dass ich in mein Tagebuch nicht für mich selbst, sondern für andere schreibe, in erster Linie für die, die leben werden, wenn ich körperlich nicht mehr existiere. Und wenn diese Tagebücher verbrennen? Was dann? Für andere sind sie wichtig, aber für mich sind sie wahrscheinlich nicht so sehr notwendig. Sie sind ich selbst.“

Am 9. September 2014 ehrte die Internet-Suchmaschine Google den Schriftsteller anlässlich seines 186. Geburtstags auf ihrer Startseite mit einem Doodle. Sie zeigte verschiedene Illustrationen zu Leo Tolstois Werken „Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“ und „Der Tod von Iwan Iljitsch“.

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