Tobias Voss: „Ein Buch hat immer zwei Seiten“

Tobias Voss, Leiter des Bereichs Internationale Märkte bei der Frankfurter Buchmesse: "2013 haben 150 Titel aus Russland ihren Weg nach Deutschland gefunden." Foto: Alexander Heinemann / Frankfurter Buchmesse

Tobias Voss, Leiter des Bereichs Internationale Märkte bei der Frankfurter Buchmesse: "2013 haben 150 Titel aus Russland ihren Weg nach Deutschland gefunden." Foto: Alexander Heinemann / Frankfurter Buchmesse

Die russische Literatur hat heute viel zu bieten, doch sie liegt für deutsche Verleger, Literaturagenten und das Lesepublikum noch immer zum größten Teil im Dunkeln. Tobias Voss, Leiter des Bereichs Internationale Märkte bei der Frankfurter Buchmesse, kennt die Gründe dafür und erklärt, weshalb das nicht einfach zu ändern ist.

RBTH: Herr Voss, im November finden in Russland gleich zwei Buchmessen statt, die Krasnojarsker und die Non-Fiction-Messe in Moskau. Sie nennen sich zwar, genauso wie die Frankfurter Buchmesse, „international“, aber viele ausländische Gäste wissen gar nicht, worauf sie sich vorbereiten sollen. Warum haben diese Projekte eine geringere Reichweite?

Tobias Voss: Neben diesen beiden Messen gibt es in Russland noch die Moskauer Internationale Buchmesse auf dem Allrussischen Ausstellungszentrum (WWZ) und den Buchsalon in Sankt Petersburg. Und hierin liegt ein Teil des Problems: Russland hat eben vier internationale Messen. Das Ganze verteilt sich etwas.

Es kommt noch ein weiterer Punkt hinzu. Überlegen Sie, was Verlage hier in Frankfurt eigentlich tun – es geht nicht nur um die Literatur selbst, sondern

vor allem auch um Übersetzungslizenzen. In unserem Agentenzentrum sitzen über 600 Agenten an Tischen und verhandeln die gesamte Messezeit im halbstündlichen Takt über Rechte und Lizenzen.

Das geht natürlich nur, wenn die Rechte entweder bei einer Agentur oder bei einem Verlag liegen. In Russland wie in vielen Ländern Mittelosteuropas ist die Situation aber so, dass viele Rechte noch bei dem Autor sind. Und das macht die Verhandlungssituation etwas schwierig, denn wenn ich zum Beispiel mit einem deutschen Verlag nach Moskau komme und mich für bestimmte Lizenzen interessiere, dann muss ich erst einmal herausfinden, wie ich den Autor direkt ansprechen kann... 

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