Eremitage: Platz eins unter den Sehenswürdigkeiten Europas

Im Dezember begeht die Eremitage ihr 250. Jubiläum. Foto: Lori/Legion Media

Im Dezember begeht die Eremitage ihr 250. Jubiläum. Foto: Lori/Legion Media

Die Eremitage in Sankt Petersburg, eines der größten und bedeutendsten Museen der Welt, feiert am 7. Dezember ihren 250. Geburtstag. RBTH blickt zurück auf umstrittene und gefeierte Ausstellungen und verrät, welche Pläne es für die Zukunft gibt.

In diesem Jahr feiert das Russische Staatliche Kunstmuseum Eremitage in Sankt Petersburg sein 250. Jubiläum. Einst legte Katharina die Große den Grundstein für die Sammlung. Von einem Berliner Kaufmann erwarb sie im Jahr 1764 225 Gemälde holländischer, flämischer und italienischer Meister. Diese Sammlung ließ sie in einem eigens neben dem Winterpalast errichteten Gebäude unterbringen, das „Einsiedelei" genannt wurde – auf Französisch „Eremitage". Heute gehören der Eremitage noch 96 Werke aus dieser Sammlung. Die Sankt Petersburger Eremitage ist eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt mit Filialen in London, Las Vegas, Amsterdam und Venedig. In diesem Jahr wählten die Besucher der Touristikwebseite TripAdvisor die Eremitage zur besten Sehenswürdigkeit Europas. Die Eremitage konnte sich gegen die Galleria dell'Accademia in Florenz und das Pariser Musée d'Orsay durchsetzen.

Die Kunsthistorikerin Natalia Semyonowa weist darauf hin, dass kein anderes russisches Museum Exponate, die nicht im Rahmen der Dauerausstellung gezeigt werden, ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich mache. Das Museumsmagazin im Stadtbezirk „Altes Dorf" kann in Führungen besichtigt werden, es gibt dort Kunsthallen und Hörsäle.

John Varoli ist ein US-amerikanischer Journalist und Experte für russische Kultur, der 13 Jahre lang in Russland gelebt hat. Die Eremitage habe „zweifelsohne eine der besten Sammlungen der Welt", sagt er. Was sie aber so besonders mache, sei ihre Lage. „Der Louvre zum Beispiel hat eine noch interessantere Sammlung, doch ist der Louvre ein unattraktives Gebäude, es wirkt grobschlächtig", sagt Varoli. Die Eremitage im Winterpalais hingegen wirke bereits für sich genommen beeindruckend. Das ziehe die ausländischen Gäste fast noch mehr an als die Sammlung, glaubt er.

Zum Museum Eremitage gehören seit einigen Jahren auch Teile des Generalstabsgebäudes gegenüber dem Winterpalast. Das Gebäude wurde 1829 fertiggestellt und war lange vom Militär genutzt worden. Die schweren Stiefel der Offiziere, die in dem 600 Meter langen, halbrunden Bau ein- und ausgingen, haben vor allem am Parkett Spuren hinterlassen. Ein Flügel des Generalstabsgebäudes wird heute von der Eremitage als Ausstellungsfläche für moderne Kunst genutzt, ein Novum, denn die Eremitage ist für eine eher konservative Ausrichtung ihrer Ausstellungen bekannt – zeitgenössische Kunst ist bisher selten gezeigt worden. Die erste Kunstausstellung im Generalstabsgebäude wurde 2012 präsentiert.

 

Kontroverse Ausstellungen

In diesem Jahr sorgte die Installation „End of Fun" (zu Deutsch: „Schluss mit lustig") der beiden britischen Künstler Jake und Dinos Chapman für einen Skandal. Die Chapmans hatten Hunderte kleine Figuren, die unter anderem Nazi-Uniformen trugen, in teilweise religiösen Zusammenhängen aufgebaut.

Besonderes die Darstellung gekreuzigter Teddybären oder eines gekreuzigten Ronald McDonald, dem Maskottchen der Fast-Food-Kette McDonald's, erregten Anstoß. Es beschwerten sich zahlreiche, angeblich vor allem christlich-orthodoxe, Besucher, die russischen Behörden ermittelten daraufhin wegen Extremismus.

Das Salzlabyrinth des japanischen Künstlers Motoi Yamamoto, das im vergangenen Jahr im Rahmen der Ausstellung „Moderne Kunst Japans" im Generalstabsgebäude gezeigt wurde, kam hingegen gut an beim Publikum. In diesem Jahr ist noch bis Ende Oktober die „Manifesta", eine Biennale zeitgenössischer Kunst zu Gast in Sankt Petersburg. Michail Piotrowski, Direktor der Eremitage, freut sich, das hochkarätige Kunstereignis ausrichten zu dürfen: „Nie zuvor hat es eine so bedeutende Kunstausstellung in Sankt Petersburg gegeben, die zudem erstmals außerhalb der Grenzen der Europäischen Union gezeigt wird." Einige Exponate wurden eigens anlässlich der „Manifesta" von bekannten europäischen Künstlern geschaffen.

Ihr 250. Jubiläum wird die Eremitage an ihrem traditionellen Gründungstag begehen, dem 7. Dezember. Geplant sei ein Tag der offenen Tür, verrät Piotrowski. „An diesem Tag werden alle Gebäude der Eremitage geöffnet sein, auch das Generalstabsgebäude, das Museumsmagazin im historischen

Stadtbezirk ‚Altes Dorf', die Kleine Eremitage und die Mengden-Villa neben dem Eremitage-Theater", verspricht er.

Und danach? Zukunftspläne gebe es viele, sagt der Museumsdirektor. In nächster Zeit sind große und kleinere Ausstellungen geplant, unter anderem „Archäologie in der Eremitage", „Neuerwerbungen", „Restauration", eine Vitrinen-Ausstellung und eine über die Geschichte des musealen Designs. Piotrowski will das einzigartige kulturelle Erbe der Eremitage noch mehr Menschen zugänglich machen. Profit stehe dabei für ihn nicht im Vordergrund. Ein Museum ist seiner Meinung nach eine demokratische Kulturinstitution, in der jeder Mensch einen Platz findet und etwas von Interesse. Museen sollten für die breite Masse zugänglich sein, meint er. „Der Erfolg eines Museums sollte nicht nach buchhalterischen Maßstäben bestimmt werden", findet Piotrowski.